Heimliche Liebe – Die Online-Partnerschaftsberatung
Heimliche Liebe tut weh!
Seit einem halben Jahr hat Ralf kein Problem mehr damit frühmorgens
aus den Federn zu kommen.
Er freut sich auf den neuen Tag und auf die Arbeit – das hat es
noch nie gegeben. Denn – Ralf ist verliebt – in Gudrun – seine neue
Arbeitskollegin.
Schon als er sie das erste Mal gesehen hat, hat es ihn voll erwischt: Ihre
wundervollen Augen, ihre Haare, ihr Lachen, ihre Ausstrahlung, ihre
Figur – eine absolute Traumfrau. Und sie scheint ihn auch zu mögen.
Aber – irgendwie kommt er mit ihr nicht so recht weiter. Es ist so ein
freundschaftlich-kameradschaftliches Verhältnis geworden – vielleicht
weil sie Arbeitskollegen sind.
Er ist völlig ratlos und hat keine Ahnung, wie er sich ihr gegenüber
nun weiter verhalten soll.
In Internet-Foren findet man Rat
Im Internet-Zeitalter ganz einfach! Man meldet sich in einem
Liebeskummer-Forum an und postet sein Problem.
Die Einschätzung der Forumscommunity zu Rolfs Geschichte ist
einhellig: Wie kann die Sache mit Gudrun weiter gehen, wenn sie
nichts von seiner Liebe weiß. Ralf muss sich ein Herz fassen
und ihr endlich seine Liebe gestehen. Da führt kein Weg dran
vorbei.
Ralf kommt ins Schwitzen! Wie macht man so was? Wie
gesteht man seine Liebe? Er hat keine Ahnung! Mit seinen
früheren Freundinnen, und er hatte einige, hat sich alles so
von selbst ergeben. Das war so einfach.
Aber mit Gudrun, er weiß nicht – sie ist so etwas Besonderes. Er
möchte nichts verderben – nichts kaputt machen. Andererseits – er
hält es einfach nicht mehr aus. Gerade eben hat sie ihn wieder
angefunkt und ihn gefragt, ob er heute Abend Zeit hat. Das macht
eine Frau doch nicht, wenn ein Mann ihr gleichgültig ist? Oder
doch?
Er wird noch verrückt wegen dieser Frau. Wenn sie dann zusammen
sind, ist einfach alles toll. Stundenlang können die beiden über
Gott und die Welt reden – ein Herz und eine Seele. Harmonie pur!
Mit keiner Frau hat er sich jemals so gut verstanden. Wenn er
sie dann nach hause bringt, bedankt sie sich überschwänglich für
den tollen Abend, hält ihn zum Abschied die Backe hin, strahlt
ihn an, sagt tschüss und bis bald und verschwindet in ihrem
Hauseingang.
Ralf bleibt traurig zurück – der schöne Abend – plötzlich ist er
ihm nichts mehr wert und er fühlt sich einsam und allein.
Die Forumsmitglieder werden ungeduldig
Die Internet-Community ist inzwischen zur Hochform aufgelaufen; der Ehrgeiz hat
sie gepackt, dem unglücklichen Neumitglied endlich zu seinem Glück zu verhelfen; ironischer
Weise könnte man sagen: zu seinem Glück zu zwingen. Die Ungeduldigen unter ihnen
können ihren Unmut nicht länger unterdrücken und fangen an, Ralf ernstlich die
Leviten zu lesen – wegen seiner zögerlichen Unentschlossenheit. Zwei sind aus
seinem Thread bereits ausgestiegen – wegen Ralfs angeblicher Beratungsresistenz. Wilde
Spekulationen machen die Runden: Sie hat vielleicht schon einen Freund – in einer
Fernbeziehung – oder sie ist lesbisch. Alles kann ja möglich sein!
Ralf bereut es bereits anonym nach Rat gefragt zu haben; er hat einfach eine
unüberwindliche Abneigung Gudrun seine Gefühle zu gestehen. Aber was, wenn es
das ist, auf das sie gerade wartet?
Insgeheim fürchtet er sich vor einer negativen Antwort – denn dann ist alles
aus. So hat er wenigstens noch die Hoffnung, dass es morgen oder übermorgen
oder sonst wann – doch noch klappt.
Andererseits macht ihn diese Ungewissheit vollkommen verrückt; neulich hätte
er fast einen Unfall gebaut, weil er gedanklich ganz woanders war.
Manchmal ist die Liebe einseitig
In der Internet-Community beschreibt inzwischen ein User seine
Geschichte – die schon Jahre zurückliegt – aber der Ralfs bis
aufs Haar gleicht. Er hatte auch gewartet, Woche um Woche, und
sich schließlich ein Herz gefasst und der Angebeteten seine
Liebe gestanden – mit katastrophalem Resultat. Die Dame damals
bedauerte, nicht genauso zu fühlen wie er; war sichtlich betroffen
und verdutzt – in was für seelische Nöte sie den armen Mann
gebracht hatte.
Die Freundschaft, die er trotz allem gerne aufrechterhalten hätte,
war vorbei. Die Frau gab sich von da an in seiner Gegenwart befangen
und zurückhaltend. Treffen, die er vorschlug, und die sie sonst
immer gerne angenommen hatte, lehnte sie jetzt unter irgendwelchen
Vorwänden ab. Diese Story gibt Ralf sehr zu denken.
Geständnisse aus Liebe sind gefährlich.
Jeder kennt sie – die herzzerreißenden Liebesgeschichten in
alten und neuen Hollywoodfilmen – in denen die Titelhelden ihrer
Angebeteten in dramatischen Worten Liebesgeständnisse ins Ohr
hauchen und die so Beglückten vor Verzückung fast in Ohnmacht
fallen.
Den berühmtesten drei Worten auf der Welt wird in unserer Vorstellung
eine Macht und Magie verliehen, die sie in der Realität niemals haben. Immer
noch existiert die unselige Vorstellung in den Köpfen, zumindest
unbewusst, dass man durch das Geständnis einer Liebe, bei einer anderen
Person ähnliche Gefühle zum Vorschein bringen könnte.
Eine grundfalsche Annahme. Das Gegenteil ist nämlich der Fall!
Wenn eine Beziehung mit einem Liebesgeständnis beginnt, dann hat es in
den allermeisten Fällen nicht wegen des Geständnisses geklappt – sondern
trotz des Geständnisses.
Ich weiß – eine komische Argumentation!
Die Machtbalance ist wichtig bei der Liebe
Sollten Sie, sehr verehrte Besucher/innen, schon ein Bisschen
in meiner Internetpräsenz geschmökert haben, wird Ihnen aufgefallen
sein, dass ich immer wieder ein Machtgleichgewicht bzw. ein
Machtungleichgewicht anspreche, das bei allen zwischenmenschlichen
Beziehungen eine große Rolle spielt – wahrscheinlich sogar die
Hauptrolle.
Diese Machtbalance ist entscheidend dafür verantwortlich,
ob Liebe entsteht – oder eben nicht.
Dabei wirkt sich eine Übermacht an Macht bei den Frauen
etwas anders aus als bei den Männern.
Der Endeffekt jedoch ist stets der gleiche: es entwickelt sich keine Liebe.
Ist ein Mann an einer Frau stärker interessiert als anders herum, entwickelt diese freundschaftliche Gefühle für ihn – wenn er ihr von seiner Persönlichkeit und seinem Intellekt entspricht. Er landet bei ihr dann in der berühmten Kumpelschublade. Mit Liebe hat das Ganze aber nichts zu tun.
Ist eine Frau stärker an einem Mann interessiert, als dieser an ihr, ist er der Mächtige in der Beziehung und wird sich deshalb nicht verlieben. Wenn sie ihn aber körperlich reizt, wird er sich seine Schäferstündchen nicht entgehen lassen – aber ohne große Emotionen und Liebe. Sie ist dann bei ihm in der Affairenschublade gelandet.
Leider machen immer die falschen Männer die Liebesgeständnisse: Die, die es
auf gar keinen Fall tun dürften, sind meistens nicht davon abzuhalten, und
die, die es tun könnten – ohne negative Folgen – die tun es nicht.
Erstere treibt ein unbezähmbarer Offenbarungswille, mit der Idee, dass
vielleicht dann alles gut wird, ins offene Messer zu laufen. Die Zweiten
machen keine Liebesgeständnisse, weil sie der Auffassung sind, dies
nicht nötig zu haben. Was grundsätzlich stimmt – obwohl die Frauen an
ihrer Seite dies natürlich anders sehen werden.
Da Männer offensichtlich erst dann dazu neigen Liebesgeständnisse zu
machen, wenn sie bei ihrer Angebeteten nicht weiter kommen, muss man
ihnen entschieden sagen, diesen Quatsch vollkommen sein zu lassen, weil
er außer Erniedrigung und Enttäuschung – nichts einbringen wird.
Wenn ein Mann bei einer Frau schleppend vorankommt, dann liegt es in den aller
seltensten Fällen an einer Schüchternheit der Schönen – die die Sache zum
Stocken bringt. Meist ist er einfach nur nicht ihr Typ – oder bei ihr hat
es noch nicht geschnackelt.
Manchmal ist die Liebe phasenversetzt
Manche Bekanntschaften entwickeln sich niemals zu Liebesgeschichten – weil die Liebe
phasenversetzt auftritt.
Einer von beiden ist schon ganz am Anfang viel, viel schneller unterwegs als der
andere. Weil der nie stehen bleibt, kann der andere gefühlsmäßig nie aufholen. Mit anderen
Worten: Der mit den großen Gefühlen sorgt dafür, dass die Gefühle des anderen immer klein
bleiben werden. Macht er nun noch ein Liebesgeständnis in der Absicht den anderen
mitzureißen – erreicht er das pure Gegenteil. Dieser weiß dadurch endgültig, dass er
nie mehr wird aufholen können.
Game over – aus und vorbei!
Sollte sich der Unglückliche irgendwann wieder neu verlieben und sein Expartner
davon erfahren, kann es gut möglich sein, dass ihm ein tiefes Gefühl von Liebe
und Traurigkeit überwältigt, weil der andere unerreichbar für ihn geworden
ist.
Diese Tatsache kann bei ihm blockierte Gefühle freisetzen – leider zu spät. Die Liebe
dieser beiden war dann phasenversetzt.
Liebe ist ein Spontanphänomen
Verliebtheit gehört wie Humor zu den Spontanphänomenen. Das herzhafte Lachen z.B., das ein Witz in uns auslöst, kommt durch die Unvorhersehbarkeit der Pointe zu Stande. Wir wissen nicht, wie die ausgehen wird und dieses Nichtwissen schafft Raum für Spaß und Heiterkeit. Auch der beste Witz – wenn wir ihn schon kennen – hat keine Wirkung mehr auf uns. Eine Überraschung, ausgelöst durch Nichtwissen und Unvorhersehbarkeit, setzt Glückshormone frei – beim Sketch und bei der Liebe.
Gegenseitige Verliebtheit kann sich deshalb nur dann einstellen, wenn ein gewisses Maß an
Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit gegeben ist – und zwar auf beiden Seiten.
Ralf hat großes Glück
Ralf hat in zweifacher Hinsicht nun großes Glück: Erstens lässt er es doch
tatsächlich sein, seiner großen Liebe seine Gefühle zu gestehen und zweitens
erreicht ihn eine Mail aus seinem Internet-Forum, die eine sehr überzeugende
Analyse seiner Beziehungssituation enthält.
Ein Spezialist für Zweierbeziehungen ist beim Surfen im Netz zufällig auf Ralfs
Liebes- und Leidensgeschichte gestoßen und hat schmunzelnd die Diskussionen
mitverfolgt. Schließlich konnte er sich nicht mehr zurückhalten und hat an dem
Strangersteller persönlich geschrieben, als dieser kurz davor stand der Kollegin
sein ganzes Seelenchaos auf den Tisch zu legen.
Seine Liebe war einfach zu groß
Das Unglückliche an Ralfs Liebesgeschichte war – von aller Anfang an – die große
Begeisterung, die er seiner heimlichen Liebe gegenüber zum Ausdruck gebracht
hatte.
Dadurch wirkte er viel zu freundlich, viel zu hilfsbereit und viel zu nett. Ständig
war er für sie frei verfügbar – wenn sie seine Hilfe brauchte – am Arbeitsplatz
und privat.
Für Gudrun war Ralf durchschaubar bis auf den Grund seiner Seele – nach kürzester
Zeit kannte sie ihn schon in und auswendig. Da gab es nichts Überraschendes und
Spannendes mehr zu entdecken, das sie in Verblüffung hätte setzen können. Sie
brauchte über nichts nachzugrübeln was ihm betraf oder sich sonst wie einen Kopf
zu machen. Bei ihm fühlte sie sich sicher und geborgen. Sie bemerkte seine starke
Zuneigung – auch ohne jede Liebeserklärung.
Alles schön und gut! Nur ein Kribbelgefühl, das war bei ihr nicht da. Keine
Spannung – obwohl Ralf ein attraktiver Mann ist.
Ralf war bei Gudrun in der Kumpelschublade gelandet – der Alptraum aller
Männer – einer Falle – kaum zu entrinnen.
Eine Strategie wird geschmiedet
Dies war in etwa die Einschätzung des anonymen Experten aus dem Internet.
Bei so einer Beziehungskonstellation kommt man natürlich mit keiner Liebeserklärung weiter – wenn überhaupt noch irgendetwas helfen kann, dann ist es Distanz!
Um für Gudrun vielleicht als Liebespartner interessant werden zu können, muss er die Nette-Mann-Strategie sein lassen, die er eingesetzt hatte, um sich bei ihr unentbehrlich zu machen.
Ein guter Ausgangspunkt dazu ist die Urlaubsreise, die er mit zwei Freunden gebucht hatte und die jetzt anstand.
Er unterließ es vom Urlaubsort aus lange Telefonate mit ihr zu führen, was er sonst
in jedem Fall getan hätte, um mit ihr Kontakt zu halten. Seine sms waren freundlich
aber auch allgemein gehalten. Sie funkte ihn öfters an, um sich zu erkundigen, was so
alles läuft bei ihm.
Nach seiner Heimkehr gab es auch kein stundenlanges Telefonat, sondern nur eine kurze
Rückmeldung mit einigen Kurzbemerkungen übers Wetter und das Hotel.
Ein weiterer glücklicher Umstand ergab sich betriebsbedingt: Ralf musste für kurze Zeit
in eine andere Abteilung wechseln, was den Kontakt der beiden in der Firma sehr
reduzierte.
Außerdem schränkte Ralf die privaten Kontakte mit der Ausrede ein, abends länger
in der Firma sein zu müssen und hinterher einfach zu ausgepowert zu sein, um mit
ihr noch irgendetwas unternehmen zu können.
Am Wochenende sagte er ein geplantes Treffen mit ihr ab, weil eine starke Erkältung
ihn ans Bett fesselte – was sogar stimmte.
Erfreut registrierte er, dass sie offensichtlich unter Entzugserscheinungen
litt und ihn vermisste.
Von einer Arbeitskollegin erfuhr er, dass sie sich hintenherum über ihn
erkundigt hatte, und wissen wollte, ob er vielleicht eine neue
Freundin hätte. Diese Aktion erfüllte ihn mit tiefer Befriedigung und
zeigte ihm, dass er auf dem richtigen Weg war.
An einem Freitag, als er sie nachts nach einem Kinobesuch nach hause brachte,
war nichts wie sonst: Beim Abschied drückte sie ihn ganz, ganz fest und
sagte, dass sie ihn so vermisst hätte – ein inniger Kuss war die Folge ...