Das Nähe-Distanz-Problem – die Online-Beratung
Wenn stabile Beziehungen die Erotik zerstören
Karin ist eine attraktive siebenundzwanzigjährige Büroangestellte.
In Bernd, 31, Ingenieur, vermögend und aus gutem Hause, hat sie endlich
ihren Traumprinzen gefunden. Ein dreiviertel Jahr sind die Beiden
jetzt zusammen – über Hochzeit und Kinder wurde schon ernsthaft
gesprochen. Aber seit etwa zwei Monaten macht sie sich große
Sorgen um ihre Beziehung, denn ihr Nähe-Distanz-Problem ist wieder da.
In stillen, grüblerischen Momenten steigt panikartige Verzweiflung
in ihr hoch und eine riesengroße Enttäuschung macht sich langsam
breit. Dabei war sie sich diesmal so sicher, dass alles gut geht,
weil einfach alles gepasst hat zwischen den Beiden. Aber nun ist
es so wie immer: Sex ist für Karin nur am Anfang einer neuen Liebe
toll, da kann sie nicht genug kriegen, aber dann, nach drei
oder vier Monaten, lässt ihr Verlangen nach und wird weniger und weniger...
Paradoxerweise schwirren ihr oft sexuelle Gedanken im Kopf
herum, wenn sie alleine in ihrer Wohnung ist. Dann malt sie
sich aus, was alles sein könnte, wenn er jetzt hier wäre...
Ist es dann abends soweit, verspürt sie anfangs auch noch Lust,
aber später, wenn seine Erregung stärker wird und stärker,
fällt ihre eigene in sich zusammen wie eine Seifenblase,
und das war’s dann.
Manchmal hatte er in seiner Hochstimmung ihren innerlichen
Absturz nicht bemerkt und weiter gemacht...
Schnell wurde der Sex ihr unerträglich –
ja geradezu widerwärtig –, und mit heftigen
Abwehrbewegungen hatte sie ihn fort von sich
geschoben und ultimativ ein Aufhören gefordert...
Diese unglücklichen Szenen vor Augen, fing sie mit der Zeit an,
Zärtlichkeiten generell aus dem Wege zugehen, um sein Verlangen
nach mehr nicht unnötig zu provozieren. Natürlich reagierte ihr
Freund verstört und konsterniert, weil er das alles nicht begriff...
Und Karin begreift sich ja auch selber nicht; sie kann nicht verstehen,
warum sie die Liebe nicht so genießen kann, wie alle Anderen auch.
In einem schlauen Buch hat sie etwas von einem Nähe-Distanz-Problem
gelesen und in der beschriebenen Problematik sich wieder erkannt...
Karin hatte schon früh ihre ersten Sexualkontakte und so Erfahrungen
mit einer ganzen Reihe von Männern gesammelt. Es war bei ihr aber
immer dasselbe: „Toller Sex am Anfang, lustlos schon nach kurzer
Zeit“. Das Nähe-Distanz-Problem hat alle ihre Beziehungen kaputt
gemacht.
Nur einmal war es anders, da hatte das Nähe-Distanz-Problem
keine Rolle gespielt: Als Zweiundzwanzigjährige war sie mit
ihrem Reitlehrer liiert, zwei Jahre lang. Eine verhängnisvolle
Affäre, denn der war verheiratet und nicht bereit sich zu trennen;
sie war todunglücklich, aber auch total verschossen. Über
nachlassende sexueller Lust brauchte sie sich zu keinem Zeitpunkt
beklagen; ihr Nähe-Distanz-Problem existierte einfach nicht.
Rückblickend meint sie, dass sie an der Sache damals sicherlich kaputt
gegangen wäre, wenn nicht alles abrupt ein Ende gefunden hätte:
Von heute auf morgen war der Mann fort, zurückgekehrt in die Staaten,
in seine alte Heimat...Sie selbst hätte niemals die Kraft gehabt,
dem Ganzen ein Ende zusetzen.
Nähe-Distanz-Problem und Kindheit
Das Nähe-Distanz-Problem wird verständlich, wenn man
einiges über die psychosexuelle Entwicklung des Menschen
weiß: Ein jeder von uns hat seine ganz bestimmen Neigungen
und Vorlieben, was sein Liebesleben anbelangt. Diese Präferenzen
beziehen sich einerseits auf die Sexualpartner, die einem besonders
„anmachen“, andererseits haben sie mit gewissen Umständen und
Praktiken zu tun, die den Sex besonders prickelnd machen.
Diese individuellen Liebesmuster setzen sich zusammen aus ererbten
Veranlagungen, die in den Genen gespeichert sind und gewissen
Verhaltensweisen und Vorlieben, die in der Kindheit angelegt werden.
Psychologen gehen davon aus, dass die relevante Zeitspanne für diese
Entwicklungsschritte zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr liegt.
In diesem Zeitraum generiert sich das CET eines Menschen – sein zentral
erotisches Thema. Dieses CET stellt eine Art Skript dar, das ganz
spezifisch auf das Individuum zugeschnitten ist; es ist ein erotisches
Drehbuch, das umgesetzt einen maximalen Lustgewinn ermöglicht.
Kindheitserlebnisse die das CET prägen müssen nichts mit Sexualität
zu tun haben – und haben es meistens auch nicht. Erst um den
Zeitpunkt der Pubertät herum, wenn die hormonellen Einflüsse den
Weg bahnen, erwacht das CET aus seinem Dornröschenschlaf – manchmal
aber auch erst sehr viel später.
Internet hat alles zu bieten
Geraten Erwachsene nie in erotische Situationen, die ihr CET voll anspringen
lassen, wissen sie oft zeitlebens nicht, welche geheimnisvollen Lüste tief in
ihrem Innern schlummern
. Heutzutage – im Zeitalter der Internet-Pornografie –,
hat jeder online die Möglichkeit alle erdenklichen sexuellen Spielarten
kennen zulernen und so auch auf sein individuelles CET zu stoßen. Manche
dieser zentral erotischen Themen sind so dominant und eingleisig,
dass Betroffene Sexualität nur unter genau diesen definierten
Bedingungen erleben können. Alles was etwas davon abweicht, lässt
einen genügend starken Erregungsaufbau nicht zu. Das ist für jene
Individuen ganz besonders tragisch, die ausschließlich sexuelle
Energien aus Praktiken beziehen, die sie mit dem Gesetz in Konflikt
bringen...
Soziale Umwelt und sexuelle Vorlieben
Kinder werden unbewusst während einer sensiblen
Entwicklungsphase auf Lebensumstände oder Ereignisse
in ihrer sozialen Umwelt geprägt. Diese erotischen
Fixierungen sind so mannigfaltig wie die Lebensumstände
selber. Seelische Traumata z.B., auch wenn sie nur
einmalig vorkommen, können die psychosexuelle
Entwicklung mit großer Macht in eine bestimmte
Richtung lenken.
Nicht oder schwer zu bewältigende Ereignisse, die
ein Kind seelisch überfordern, werden zwar verdrängt,
haben aber im Unterbewusstsein eine unheilvolle
Präsenz. In kindlichen Phantasien und in Träumen
werden diese Ereignisse, teils in abgeänderten
Szenarien, immer wieder durchgespielt und bekommen
durch diesen Wiederhohlungseffekt eine große
gestaltende Kraft auf das noch plastische
Zentralnervensystem.
Wachsen Kinder in Elternhäusern auf, die landläufig als normal gelten,
wird ihre Liebesfähigkeit und ihr sexuelles Reaktionsschema auch dem
entsprechen, was man bei uns als normal empfindet.
Besondere familiäre Konstellationen aber – nicht unbedingt
traumatische oder krass anormale – können bei Kindern Liebesmuster
erzeugen, die sie im Erwachsenenalter in die Bredoullie bringen.
Ursprungsfamilien die diesen Kriterien entsprechen, hat es schon
immer zur Genüge gegeben und so ist es nicht weiter verwunderlich,
dass viele Erwachsene, die man getrost normal nennen kann,
Persönlichkeitsanteile besitzen, die in bestimmten Situationen
nachteilig sind.
Mit anderen Worten: Jeder von uns hat so seine ganz spezielle, kleinere oder größere Neurose
Nähe-Distanz-Problem und Zuneigung
Karin ist in so einem Elternhaus aufgewachsen. Sie ist die jüngere
von zwei Geschwistern; Monika, die Große, ist sieben Jahre älter
als sie. Im Alter von sechs Jahren musste sich Karin mit einer
drastischen Lebensumstellung arrangieren: Ihr über alles geliebter
Daddy verließ die Familie und verheirate sich kurze Zeit später
wieder aufs Neue. Ihre Mutter hatte die Trennung lange Zeit nicht
verkraftet und litt immer wieder unter depressiven Verstimmungen,
die es oft nicht zuließen, die beiden Mädchen so zu versorgen,
wie es nötig gewesen wäre...
Der Vater kümmerte sich um seine beiden Töchter so gut es eben ging;
allzuviel Zeit aber vermochte er nicht aufzubringen. Kurze Zeit
später wurde seine neue Frau schwanger und brachte einen Sohn
zur Welt; ein elfjähriger Junge aus ihrer ersten Ehe
lebte da bereits bei ihnen. Diese ungünstigen
Beziehungskonstellationen trafen die kleine Karin
ganz besonders hart. War die Mutter unpässlich,
weil sie gerade an einem depressiven Schub litt,
übernahm die ältere Schwester die Mutterrolle –
oftmals mehr schlecht als recht.
In der neuen Familie ihres Vaters erging es ihr nicht
viel besser. Die Zweitmutti war zwar recht liebevoll zu
der Kleinen, viel Zeit hatte aber auch sie nicht. Der Säugling
und ihr Großer, der auf die Ankunft des Babys mit eklatanten
Verhaltensauffälligkeiten reagierte, beanspruchten ihre Zeit
zur genüge. Karins kindliche Bedürfnisse nach Beachtung und
Aufmerksamkeit waren dementsprechend groß. Lange Jahre bemühte
sie sich immer und immer wieder, kleine Zipfel Liebe und Anerkennung
zu erhaschen...
So wurde schließlich die Sehnsucht geliebt zu werden, zu einem dominanten
Charakterzug ihrer Persönlichkeit. Da Karin intelligent war und sehr
gute Schulnoten nach hause brachte, konnte sie auf diesem Feld ihrem
ausgehungerten Ego Pluspunkte verschaffen. Im Beruflichen war es
später ähnlich: Fleiß, Geschick und Engagement verhalfen ihr zu
einer beachtlichen Karriere – und optisch war sie einfach umwerfend;
Männer zog sie deshalb an wie ein Magnet...
Mangel ist beim Nähe-Distanz-Problem der Motor des CET
Aber die „emotionale Schmalkost“, die die kleine Karin über lange
Jahre vorgesetzt bekam, schlug sich auf verschlungenen Wegen in
ihrem Gehirn nieder, und justierte die „Schräubchen“ ihres Liebesmusters.
Das Sehnen nach Liebe – über große Zeiträume ihrer Kindheit traurige Realität –
wurde zum dominanten Element ihres CETs. Nur bei einem Mangel an Nähe und
Zuwendung – der immer dieses unselige Sehnen im Gefolge hat – läuft ihr
erotischer Motor auf vollen Touren (Anmerkung: Natürlich sind diese
Effekte auch bei Personen wirksam, die nicht mit einem Nähe-Distanz-Problem
behaftet sind).
Die schmerzliche Empfindung des Wenig-Geliebt-Werdens wird durch das
CET bei ihr in erotische Energie verwandelt. Man könnte deshalb
ein Nähe-Distanz-Problem auch als stark abgeschwächte Form des
Masochismus bezeichnen. Sexuelle Lust stellt sich bei Karin immer
nur dann verlässlich ein, wenn sie in einer Beziehung steckt, bei
der ihr Partner weniger liebt als sie. Unter diesem Blickwinkel
wird verständlich, warum das Nähe-Distanz-Problem bei ihrer Affäre
mit dem Reitlehrer keine Rolle gespielt hat: Die stark unausgeglichene
Beziehung hat zu keiner Zeit jenen Grad an Verlässlichkeit und Sicherheit
erreicht, der nötig gewesen wäre, ihr Nähe-Distanz-Problem zu aktivieren.
Bei neuer Liebe ist es anfangs ähnlich...
Aus ähnlichen Gründen hat in der Anfangszeit einer neuen Liebe ein
Nähe-Distanz-Problem kaum eine Chance zur Entfaltung: Unsicherheit,
geringe Vertrautheit der Partner und dieser frischverliebte Zustand auf
Wolke sieben schaffen ein emotionales Klima, in dem auch Individuen
mit einem Nähe-Distanz-Problem sexuell gut funktionieren können.
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, dieses Wort von Hermann
Hesse scheint auf solche Menschen ganz besonders gut zu passen.
Dieser wundervolle Zauber verschwindet aber mit der Zeit und mit
ihm Aufregung, Anspannung und Unsicherheit – wenn Nachhaltigkeit
und unverbrüchliche Liebe Einzug in die neue Verbindung gehalten
haben. Dann ist Nähe da und Geborgenheit; dann fühlt man sich seelisch
angekommen und daheim. Auch Personen mit einem Nähe-Distanz-Problem
können solche Phasen geniesen, entspricht es doch der tiefsten
Sehnsucht ihres Ichs bedingungslos geliebt zu werden – einerseits.
Andererseits können diese Situationen manche auch überfordern,
weil ihr Innerstes nicht daran gewöhnt ist. Aber immer leidet
der Sex, weil Geborgenheit, Nähe, Harmonie und ein liebevolles
Angenommenwerden bei ihnen die erotischen Empfindungen abtöten.
Ist das Sehnen weg und das Bangen, das Warten und das Fiebern,
und ist alles so anders, wie es damals in ihrer Kindheit war –
ist auch die Leidenschaft weg – wie wenn es sie niemals gegeben hätte...
Weil die Typen sich zerreißen ist sie so
Karin hatte als attraktive Lady noch nie groß Probleme Männer
für sich einzunehmen. Im Gegenteil: Alle waren sie immer stark
bemüht und rissen sich darum ihre Wünsche zu erfüllen – um sie binden
und zuhalten. Personen mit einem Nähe-Distanz-Problem können aber durch
so etwas ganz schnell übersättigt werden...
Dann starten die berühmten Teufelsräder: Weil sie mit Liebe „zu sind“ und
gesättigt, haben sie auch keine große Lust mehr auf Sex. Verliebte Männer
fangen dann an durchzudrehen und legen ihren Traumfrauen die Welt zu Füßen,
damit ihr Motor wieder anspringt. Aber damit drehen sie diesem Motor die
Benzinzuführ nur noch weiter ab...
Karin schaute dann immer auf ihre Gefühle und stellte fest, dass
sie zuwenig waren um weiter zumachen... Aber mit ihrem Bernd ist es
ihr diesmal so wichtig, weil sie sich Familie mit ihm vorgestellt
hat und Kinder, und deshalb leidet sie auch so...
Etwas Evolutionsbiologie...
Die biologische Entwicklung der Spezies Mensch hat der
Sexualität neben der Fortpflanzung noch eine zweite Rolle
zugedacht: Sex und Erotik sollen Paare nämlich auch zusammen
halten. Diese Funktionalisierung erkennt man gut am weiblichen
Sexualverlangen, das auch in denjenigen Zyklusphasen gegeben ist,
in denen Schwangerschaften ausgeschlossen sind. Hierbei wird
Sexualität dazu „verwendet“ Nähe und Bindung herzustellen.
Diese psychobiologische Funktion von Sex und Erotik bringt Frauen
mit einem Nähe-Distanz-Problem erst recht in die Bredouille oder
ist sogar für viele der eigentliche Auslöser eines Nähe-Distanz-Problems.
Wie schon erwähnt ist unser Fallbeispiel Karin an karge emotionale
Kost gewöhnt und dadurch auch viel schneller abgesättigt und übersättigt,
wenn Männer ihr ihre ganze Liebe und Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.
Eine weitergehende Vertiefung der Bindung – durch Sex und Erotik –
erscheint dann überflüssig.
Aussöhnung mit innerem Kind kann hilfreich sein
Um keine Missverständnisse aufkommen zulassen: Diese seelischen
Abläufe sind, anders als es jetzt in der Analyse klingt, unbewusst
und absichtslos. Keiner der Betroffenen ist deshalb in der Lage,
durch ein Wissen über diese Mechanismen, deren Auswirkungen
zu beeinflussen. Wissen über die tieferen Zusammenhänge kann
jedoch helfen, die Selbstakzeptanz Betroffener zu verbessern.
Was einer Aussöhnung mit dem inneren Kind gleichkommt, da
Individuen mit diesen familiären Hintergründen immer die
Vorstellung entwickeln, nicht sonderlich viel Wert zu sein...
Sind Frauen mit einem Nähe-Distanz-Problem in der Lage sich so
anzunehmen wie sie sind (und damit ist die Gesamtpersönlichkeit
gemeint, nicht nur der Teilaspekt „Sexualität“), werden
psychologische Rahmenbedingungen geschaffen, die zur Nachreifung
ihrer Persönlichkeit führen können. Im Zuge einsetzender Wandlungen
ist es denkbar, dass die drastischen Abfälle ihres Sexualverlangens
in stabilen Langzeitbeziehungen etwas abgemildert werden.
Casanova hatte Nähe-Distanz-Problem
Natürlich können auch Männer von einem Nähe-Distanz-Problem betroffen sein,
wenn sie in kühlen und sterilen Elternhäusern aufwachsen mussten. In krassen
Fällen sind Männer mit dieser Problematik vollständig liebes- und bindungsunfähig.
Aber ihr starker Drang nach Sex wird dadurch natürlich nicht aufgehoben.
Exemplare dieser Gattung – die das gewisse Etwas besitzen – ziehen deshalb
zeitlebens von einer zur andern, da eine neue Eroberung schon nach kurzer
Zeit ihren erotischen Reiz für sie verliert. Der Italiener Giacomo Casanova
dürfte der Berühmteste dieser Spezies gewesen sein. Männer mit milderen
Formen eines Nähe-Distanz-Problems können zwar Beziehungen und Ehen eingehen,
sind aber meist nicht in der Lage, ihren Frauen Wärme und Geborgenheit zu geben.
Nähe-Distanz-Problem geht nicht weg
Es gibt keine psychologische Methode, mit der es möglich wäre,
einen Menschen mit einem Nähe-Distanz-Problem in eine Person zu
verwandeln, die stark nähebedürftig ist. Kühle Elternhäuser oder
solche mit zu wenig Zeit für den Nachwuchs, dienen über lange
Zeiträume dem plastischen und unreifen kindlichen Gehirn als soziales
Modell. Dieses Bild schlägt sich in eine spezifische Verdrahtung und
Verschaltung von Nervenbahnen nieder, die das CET eines Menschen konfigurieren
Es ist klar, dass mit nichts auf der Welt diese Entwicklungsgeschichte umgekehrt
werden kann.
Umso wichtiger ist es, dass Menschen mit einem Nähe-Distanz-Problem im Rahmen
einer Sexualberatung Aufklärung erfahren. Wissen um die Ursache dieser
Problematik kann, wie schon erwähnt, den Leidensdruck vermindern, da
Betroffene erkennen, dass es nicht in ihrer Macht liegt, diese unerfreuliche
Situation zu verändern. Es geht hier m. E. darum, betroffenen Frauen
Wege aufzuzeigen, um mit ihrem Nähe-Distanz-Problem besser umgehen zu
können. Häufig ist es nämlich so, dass eine ungünstige Einstellung
dieser Personen bzw. ein unglückliches Interagieren des Paares – eine
Nähe-Distanz-Problematik noch erheblich verschärft.
Dieser Selbstverstärkermechanismus ist es oft, der, am Ende einer
unglücklichen Entwicklung, jede körperliche Annäherung eines Paares
verhindert. Verhaltensanweisungen im Rahmen einer Verhaltenstherapie,
therapeutische Hausaufgaben sozusagen, können manchmal diese neurotischen
Abwehrmechanismen außer kraft setzen...
Auch im Rahmen einer Beratung kann es gelingen, Männern Wege
aufzuzeigen, wie sie den Druck auf ihre Partnerin verringern können.
Dies kann erstaunliche Effekte bewirken und manchmal sexuelle
Bedürfnisse auf Seiten der inappetenten Ehefrauen auslösen, die man
so nicht für möglich gehalten hätte. Aber das werden eher Ausnahmen
bleiben, denn generell sind ausgeprägte Nähe-Distanz-Probleme schwer
zu beeinflussen.