Macht und Zweierbeziehung – Online-Beratung

Hat er die Macht, kann sie sich den Mund fusselig reden

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Da drischt er zu…

Ist eine Frau in ihrer Beziehung sehr engagiert, weil sie ihren Mann oder Freund total liebt, kann ihm diese Liebe eine sehr große Macht über sie verleihen – wenn er sie nicht im gleichen Ausmaß zurückliebt. Er bekommt so zwangsläufig das Gefühl, die Kontrolle über seine Beziehung zu haben. Die Sicherheit die er verspürt verleiht ihm diese Dominanz und unterminiert gleichzeitig sein Bedürfnis nach Nähe und Zweisamkeit mehr oder weniger stark.

Je nach Persönlichkeit entwickelt er sich dann in Richtung des beziehungsfaulen Ehemanns. Wenn sich seine Frau nun immer wieder bei ihm darüber beschwert, dass sie zuwenig zurückbekommt und sich in der Beziehung einsam und vernachlässigt fühlt usw., wirkt sie auf ihn wie ein armes nervendes Hascherl, das nach seiner Aufmerksamkeit verlangt. Das Jammern – aus der Sicht der Frau natürlich mehr als berechtigt – lässt ihn aber immer mehr den Respekt vor ihr verlieren; das Macht-Ungleichgewicht vergrößert sich dadurch immer mehr.

Er behält die Macht

Das menschliche Streben nach Macht und Einfluss über andere, das unbewusst jeden von uns innewohnt, verhindert, dass er mit einem emotionalen Engagement auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Ehefrau reagiert – weil dies mit einem Verlust der Oberhand verbunden wäre. Sein Unterbewusstsein reagiert dabei im Sinne einer Art Wächterfunktion – um den Macht-Status beibehalten zu können. So wird er sich unbewusst blockieren und den Wünschen seiner Frau einen energischen Widerstand entgegen bringen, weil er ihre Einflußnahme als einen Dominanzversuch interpretiert – den es unbedingt zu verhindern gilt.

Diese Mechanismen greifen auch dann, wenn er ihr in einem ruhigen Moment auf der logischen Ebene Recht gibt. Mit einer vernunftmäßigen, willentlichen Anstrengung ist dieser Problematik in aller Regel nicht beizukommen. Da sie sich natürlich im Recht fühlt, wird sie das Thema immer wieder „aufkochen“  und beide geraten in den Sog des sich selbst verstärkenden Teufelskreislaufes.

Sie wird immer kleiner

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… und sie weiß sich nicht
mehr zu helfen…

Diese Auseinandersetzungen, die oft mit Tränen und unkontrollierten Wutausbrüchen ihrerseits einherzugehen pflegen, erniedrigen die Frau in den Augen ihres Mannes mehr und mehr und vergrößern dadurch seine Macht und Überlegenheit. Die emotionale Abhängigkeit seiner Frau tritt immer deutlicher hervor und signalisiert ihm, dass er Macht und Kontrolle über die Beziehung vollständig erreicht hat.

Wenn ein Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, die Kontrolle über eine wichtige Situation erlangt hat, setzt Entspannung ein und die Gefühle nehmen sich zurück; einfach deshalb, weil sie als antreibende Moti- vatoren nicht mehr gebraucht werden.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieses Geschehnis nur in ganz seltenen Fällen der Intention eines Ehemannes entspricht – es spielt sich in aller Regel einfach so ein. Jeder, der in so einer Situation steckt, ist den dabei wirkenden seelischen Kräften anscheinend hoffnungslos ausgeliefert. Die Beziehung so eines Ehepaares polarisiert sich mit der Zeit mehr und mehr. Die Rollen sind klar verteilt – einer spielt den Angreifer, der andere den Verteidiger.

Einer will z.B ständig über die Beziehungsmisere reden, während der andere diese Diskussionen fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Instinktiv verspürt die Frau ihre Machtlosigkeit und sie fühlt ganz genau, dass sie aus dieser Position heraus muss; manchen ist dazu jedes Mittel recht und so verbeißt sich das Ehepaar nur noch mehr ineinander…