Paartherapie – Online-Information

Paartherapie bei Beziehungsproblemen und sexuellen Störungen

Paartherapie bei Beziehungsproblemen

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Eine Paartherapie ist, wie der Name schon sagt, eine Therapie. Psychotherapeutische Interventionen im Rahmen einer Paartherapie dürfen nur von zugelassen Ärzten mit Zusatz- ausbildung (ärztlichen Psychotherapeuten) oder von Psycho- logen durchgeführt werden. Eine Paartherapie stellt an den Psychotherapeuten hohe Anforderungen, ist er doch in den Paartherapie-Sitzungen gezwungen, auf die Gefühle und Be- lange zweier Individuen simultan zu reagieren.

Eine erfolgreiche Paartherapie setzt voraus, dass der Therapeut beiden Parteien gleichermaßen gerecht wird. So muss er tunlichst eine einseitige Parteinahme vermeiden und Tendenzen bei sich erkennen und abstellen, die in diese Richtung gehen. Dies ist nicht immer einfach, da Sympathien und Antipathien unbewusst in das therapeutische Geschehen bei einer Paartherapie einfließen können… Je nach Ausbildungsrichtung des Therapeuten kommen in den Paartherapie-Sitzungen ganz unterschiedliche Therapieansätze zum Tragen.

Allerdings wird es oft nicht möglich zwischen einer reinen Paartherapie und einer Paarberatung zu unterscheiden. Eine Paarberatung können auch Befähigte ganz anderer Ausbildungsrichtungen anbieten, und erfolgreich damit sein. Paartherapie, Paarberatung, Eheberatung, Beziehungsberatung – alle diese Termini besagen in etwa das Gleiche.

Streben Paare eine Paartherapie an, haben sich in ihren Partnerschaften Beziehungsprobleme angehäuft, denen sie alleine nicht mehr Herr werden. Meist haben sich negative Verhaltensmuster etabliert, mit denen die Partner sich gegenseitig blockieren.

Für diese neurotischen „Verwicklungen“ prägte der Schweizer Paartherapeut Jörg Willi den Begriff Kollusion. Im Rahmen einer Paartherapie ist der Psychotherapeut bemüht, diese verhängnisvollen Kollusionen aufzudecken. Er wird beiden ihre destruktiven Verklammerungen transparent machen, als ersten Schritt sie aufzulösen. Im Rahmen der Paartherapie müssen beide für die jeweils eigenen Anteile an der Kollusion die Verantwortung übernehmen, und an sich arbeiten, dieses beziehungsschädliche Verhalten abzustellen.

Der Erfolg einer solchen Paartherapie hängt nicht zuletzt von der Findigkeit und Kreativität des Therapeuten ab, seinen Patienten diese Zugeständnisse zu entlocken…

Es ist manchmal nicht leicht einen Therapeuten für die Paartherapie zu finden, der gut ist und der beiden gleichermaßen liegt – so dass sie sich gut aufgehoben fühlen…

Oft ist nur einer der Partner an einer Paartherapie interessiert, während der Andere die Kooperation verweigert. Der Engagierte kann trotzdem im Alleingang eine Verbesserung seiner Beziehung erreichen, wenn er eine Eheberatung ins Auge fasst oder sich von einem professionellen Berater coachen lässt.

Paartherapie bei sexuellen Funktionsstörungen

1) Paartherapie bei Impotenz:

Die Impotenz eines Mannes kann organische Ursachen haben oder seelisch bedingt sein oder aus einer Kombination von beiden bestehen. In modernen Zeiten stehen Chemotherapeutika (z. B. Viagra, Sildenafil usw.) zur Verfügung, die sowohl in dem einen als auch in dem anderen Fall zu einem verstärkten Blutandrang in den Schwellkörpern führen. Diese Medikation ist aber nicht ganz ungefährlich und hat vereinzelt schon Todesfälle im Gefolge gehabt.

Bei seelisch bedingter erektiler Dysfunktion haben sich in der Vergangenheit verhaltenstherapeutische Ansätze bewährt, die in erster Linie darauf abzielen, die Versagensängste eines Mannes abzubauen. Hierbei ist die Mitwirkung der Partnerin unerlässlich, da sie bzw. der Verkehr an sich es ist, der diese Ängste mobilisiert.

Eine sexualtherapeutisch ausgerichtete Paartherapie stellt betroffenen Paaren „Hausaufgaben“, die diese Ängste vor dem Akt auf Seiten des Mannes verringern sollen.

2) Paartherapie bei ejakulatio praecox:

Die vorzeitige Ejakulation beim Mann ist immer seelisch bedingt. Anders als bei der Impotenz existieren hier keine zuverlässig wirkenden Medikamente.

Eine subdominante Stellung des Mannes in der Beziehung oder/und sexuelle Versagensängste sind die ausschlaggebenden seelischen Befindlichkeiten hinter dieser Symptomatik.

Unter Mithilfe der Partnerin soll der Mann in mehreren Schritten lernen den Ejakulationsreflex zu kontrollieren. Eine Paartherapie ist oftmals begleitend nötig, weil Probleme in der Beziehung sehr leicht zu Störungen im Sexualleben führen.

3) Paartherapie bei Vaginismus:

Vaginismus nennt man die unbewusste Verkrampfung der Scheidenmuskulatur, die extreme Ausmaße annehmen kann und dann einen Sexualverkehr verunmöglicht. Massive Ängste betroffener Frauen vor dem Eindringen des Penis liegen dieser Symptomatik zugrunde. Durch verhaltenstherapeutische Übungen mit Stäben unterschiedlicher Dicke können Frauen ihre massiven Ängste abbauen. Die Einbeziehung des Partners in diese Übungen hat sich als sinnvoll erwiesen. Manchmal kann eine Paartherapie angezeigt sein, wenn zusätzlich noch Beziehungsschwierigkeiten die Partnerschaft belasten.

4) Paartherapie bei weiblicher sexueller Lustlosigkeit:

Eine fehlende oder geringe sexuelle Appetenz der Frau kann verschiedene Ursachen haben. Am Häufigsten verbirgt sich in Langzeitbeziehungen meines Erachtens dahinter die biologische Disposition von uns Menschen zu mittelfristigen Beziehungen, die es nur schwer zulässt, Liebe und Leidenschaft zu ein und demselben Partner eine lange Zeit aufrechtzuerhalten. Das ist das Eine. Das Andere ist das Faktum, dass Beziehungsprobleme natürlich auch immer das Sexualleben eines Paares belasten oder anders herum ein gestörtes Sexualleben immer auch für Beziehungsschwierigkeiten sorgt. Eine Paartherapie, die allgemein das Beziehungsklima verbessert, kann somit auch einer eingeschlafenen Sexualität auf die Beine helfen.

5) Paartherapie bei auftretenden Konflikten während einer Sexualtherapie:

Machen Paare eine Sexualtherapie – wegen sexueller Probleme eines oder beider Partner –, können im Laufe dieser Therapie Konflikte auftreten, die eine Paartherapie nötig machen. Sexuelle Funktionsstörungen überdecken häufig Konflikte in der Partnerschaft oder stabilisieren unbewusst eine Beziehung sogar. Sind die Partner dabei ihre Sexualproblematik zu überwinden, treten die zugrunde liegenden Beziehungsprobleme in Erscheinung und torpedieren den Fortgang der Sexualtherapie. Eine intensive Paartherapie muss dann zwischengeschaltet werden, um diese Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.