Vorzeitiger Samenerguss – Die Online-Sexualberatung

Ein vorzeitiger Samenerguss ist eine Funktionsstörung

Ein vorzeitiger Samenerguss, lateinisch Ejaculatio praecox, ist dann gegeben, wenn der Orgasmus des Mannes so schnell erfolgt, dass kein Geschlechtsverkehr möglich ist. Im Extremfall ejakulieren Männer schon bei der ersten Berührung oder Umarmung durch eine Partnerin. In anderen Fällen haben sie einen Samenerguss beim Vorspiel oder beim Eindringen des Penis in die Vagina oder kurze Zeit später.

Ein vorzeitiger Samenerguss ist immer seelisch

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Eine Katastrophe…

Manfred erscheint niedergeschlagen zur Konsultation in einer Praxis für Sexualberatung:
Seit einem halben Jahr leidet er unter einem vorzeitigen Samenerguss, der ein normales Liebesleben nahezu verunmöglicht. „Kaum hat die Sache ange- fangen, ist es bei mir auch schon wieder vorbei – ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll“, sagt er geradezu verzweifelt.

Manfred, 34 Jahre, Postbeamter, ist seit sieben Jahren mit Brigitte, 31 Jahre, Bankangestellte, verheiratet. Die beiden haben eine achtjährige Tochter. Ihr Liebesleben war bis vor kurzem noch tadellos.

Manfred – ein attraktiver Mann – hatte vorehelich eine ganze Reihe von Freundinnen und nie Probleme mit seiner Sexualität. Anders als eine Impotenz hat ein vorzeitiger Samenerguss so gut wie nie eine organische Komponente, das heißt, dass keine verborgenen körperlichen Erkrankungen dahinter stecken.

Entzündliche Veränderungen innerhalb der Harnröhre oder im Bereich der Eichel können allerdings die Empfindlichkeit des Penis gegenüber Druck und Reibung derart steigern, dass es zu einem vorzeitigen Samenerguss kommt. Diese ursächliche Verantwortlichkeit für den vorzeitigen Samenerguss erkennt auch der Betroffene selbst und meist sind es die Schmerzen am Penis, die ihn zum Arzt führen und nicht ein vorzeitiger Samenerguss.

Ansonsten ist ein vorzeitiger Samenerguss immer seelisch bedingt und deshalb auch als psychosoma- tische Funktionsstörung zu bezeichnen.

Ein vorzeitiger Samenerguss ist ein großes Malheur

Schon während der kurzen Schilderung seines Symptoms ist für den Berater die Dringlichkeit spürbar, unter der Manfred leidet und die Verzweiflung, die sich seiner bemächtigt hat. Er möchte diese „verdammte Sache“ so schnell als möglich wieder los haben. Verständlich!

Psychosomatische Störungen werden in die Welt gesetzt durch einen Anlass; einen Grund; irgendetwas, das einen bedrängt und belastet und das unser Gehirn auf verschlungenen Wegen in ein Symptom verwandelt. Dieser Umwandlungsmechanismus ist deshalb so interessant, weil er etwas mit unserer Evolution zu tun hat – unserer Entwicklungsgeschichte – die Abermillionen Jahre auf dem Buckel hat. Dazu später mehr!

Ist so ein Symptom einmal da, nimmt es sein bedauernswertes Opfer immer mehr und mehr in Besitz – es wächst und wuchert – ein seelischer Krebs sozusagen, der schließlich die ganze Persönlichkeit erfassen kann.

Der vorzeitige Samenerguss hat sich mit einer gefährlichen Toxizität in Manfreds Gehirn eingenistet und ihm jede Lebensfreude genommen – denn Sex hat in seinem Leben eine zentrale Bedeutung – das war bei ihm schon immer so gewesen. Auf seinen Körper und auf seinen Qualitäten als Liebhaber ist er schon immer ganz besonders stolz gewesen – und jetzt das Malheur mit dem vorzeitigen Samenerguss. Eine Katastrophe! Dann die tolle Frau, die er hat – die er liebt und begehrt. Und jetzt die Angst – irgendwann alles zu verlieren – wenn die Sache mit dem Sex nicht mehr so wird, wie sie einmal war.

Brigitte, seine Frau, sieht das nicht ganz so dramatisch: Sie erkennt intuitiv, wie er sich selbst verrückt macht und alles darum nur noch schlimmer wird. Deshalb macht sie Versuche, ihn zu überzeugen, die Problematik „vorzeitiger Samenerguss“ etwas tiefer zu hängen. Ganz schlimm für ihn, denn diese Ein- stellung seiner Frau – vernünftig und normal – verunsichert ihn unbewusst nur noch mehr: Er hat dadurch den Eindruck, dass seiner Brigitte der Sex mit ihm offenbar nicht mehr so wichtig ist. Sein Problem ve- rschärft sich dadurch.

Ein verhängnisvoller Teufelskreislauf führt Regie

Fotolia_47181737_XS-KopieAlle psychosomatischen Symptome – so auch ein vorzeitiger Samenerguss – haben die Tendenz sich selber zu verstärken: Die Angst und die Unsicherheit, die diese Symptome erzeugen, führen in einem Kreisprozess rückwirkend zu ihrer Verstärkung. Das ist immer so! So erfährt ein vorzeitiger Samenerguss durch diesen Teufelskreislauf eine Verfestigung, die dazu führt, dass beim nächsten Sex mit Sicherheit wieder ein vorzeitiger Samenerguss auftreten wird.

Ein Symptom kann auf diese Weise vollkommen autonom werden. Selbst wenn der ursächliche Auslöser wegfällt, was manchmal vorkommt, bleibt das Symptom weiter am Leben, weil es sich etabliert hat. Das ist die Problematik all dieser Störungen – ob sie nun funktionelles Herzsymptom heißen, irgendeine Pho- bie sind oder eine an sich harmlose Schlafstörung.

Psychotherapeuten, die solche Störungen angehen, dürfen, wenn das Symptom beseitigt werden soll, nicht nur die auslösende Situation im Auge haben – die manchmal überhaupt nicht eruierbar ist.

Bei Manfred ist die Sache ein klein wenig anders gelagert, obwohl natürlich auch bei ihm der Teufelskreis- lauf brutal zugeschlagen hat: Er leidet nicht an einem primären vorzeitigen Samenerguss, sondern an einem sekundären vorzeitigen Samenerguss, weil dieses Malheur bisher bei ihm noch nie aufgetreten ist.

Vorzeitiger Samenerguss und Partnerdynamik

GleichgewichtBei Fällen von sekundärem vorzeitigen Samenerguss ist es ganz wichtig, im Rahmen einer Sexualberatung, die Partnerdynamik unter die Lupe zu nehmen. Der Machtver- teilung innerhalb einer Beziehung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Jede Beziehung zwischen zwei Menschen definiert sich auch durch ihr Machtgleichgewicht bzw. Ungleichgewicht. Diese Kräfte sind immer vorhanden: Entweder neutralisieren sie sich gegenseitig bei einer symmetrischen Beziehung oder einer hat ein emotionales Übergewicht d.h. er hat für den anderen eine größere Bedeutung, als dieser für ihn. Die Verhaltensweisen der Partner und ihre emotionale Einstellung zueinander werden sehr stark durch diese Dynamismen bestimmt. Ganz besonders ist die Sexualität davon betroffen, weil hierbei viele Millionen Jahre alte Verhaltensweisen und Motivations- schienen berührt werden.

In der Ehe hat sich einiges verändert

Brigitte hat nach der Geburt ihrer Tochter, vor acht Jahren, ihren Job in der Bank gerne aufgegeben, um sich um Kind und Familie zu kümmern. Mittlerweile benötigte sie aber dringend Tapetenwechsel, weil der Hausfrauenjob auf Dauer für die agile und intelligente Frau keine genügende Herausforderung mehr dargestellt hätte.

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Sie hat Erfolg…

Die Bank bot ihr eine Stelle zum Wiedereinstieg an, in die sie sich erst ein- arbeiten musste – was ihr nach der langen berufslosen Zeit überraschend gut gelang. Dieser kleine Karriereschub tat ihrem Selbstbewusstsein ungemein gut und war genau das Erfolgserlebnis, das sie brauchte, um ihrem Leben wieder etwas Glanz zu geben.

Manfred gönnte ihr den Erfolg – zumindest am Anfang. Später mischte sich Neid mit Angst – Angst sie zu verlieren. Betriebliche Feiern; Geburtstage; ein Be- triebsausflug nach Paris; Telefonanrufe ihm unbekannter Kollegen; ein Ten- nisclub, den sie mit einer Kollegin beitrat – Manfred hatte wohl oft das Gefühl, keine Kontrolle mehr über die ganze Sache zu haben. Dann trat das Problem mit seinem vorzeitigen Samenerguss auf, das die Misere komplett machte.

Die Partnerdynamik des Paares hatte sich durch Brigittes beruflichen Wiedereinstieg dramatisch verändert: Die Hausfrau und Mutti war dabei eine Bankkarriere zu machen, die ihr Autonomie einbrachte und das Machtverhältnis in ihrer Beziehung verschob – was ihren Mann stark verunsicherte. Manfred konnte sich noch gut an seinen ersten vorzeitigen Samenerguss erinnern:

Brigitte war spät in der Nacht von einer Betriebsfeier heimgekommen; Manfred wollte Sex mit ihr – sie aber lieber schlafen. Nach langen hin und her kam es dann doch zu Zärtlichkeiten, aber sie war nicht so bei der Sache wie sonst. Anstatt einfach aufzuhören und das Ganze auf sich beruhen zu lassen, ließ er nicht nach in seinen Bemühungen sie zu erregen. Als er schließlich in sie eindrang und drei, vier Koitus- bewegungen machte, war es auch schon passiert.

Die vorzeitige Ejakulation war einmal ganz wichtig

Sehr viele körperliche Funktionsstörungen, zu denen auch die vorzeitige Ejakulation gehört, haben in unserer langen erdgeschichtlichen Vergangenheit einmal eine wichtige Funktion erfüllt – die sie aber in der heutigen Zeit so ziemlich verloren haben. Leider werden die entsprechenden Schaltkreise in unserem Gehirn bei der Embryonalentwicklung immer noch angelegt.

Die Natur hat offenbar noch nicht die Zeit gefunden, unser Gehirn zu entrümpeln und diese Anachro- nismen zu entsorgen. Die Evolution ist zwar dabei, diese antiquierten Gehirnmodule auszumustern und durch Hemmschaltungen unwirksam zu machen, aber sonderlich erfolgreich war sie bisher noch nicht: So können besondere Erziehungssituationen in der Kindheit, durch negative Einwirkungen, diese schlecht etablierten Korrektive außer Kraft setzen. Die Folge: Im Erwachsenen laufen, in entsprechenden Situationen, diese urzeitlichen Schaltungen zur Hochform auf und stiften Unsinn – zum großen Leidwesen für die Betroffenen.

Kopulierende Löwen

Bei Löwen geht’s ganz schnell…

Die meisten Kopulationen im Tierreich sind nur von kurzer Dauer. Der „vorzeitige“ Samenerguss ist hier die Normalität. Grund: Die meisten Tiere haben Freßfeinde, die nur darauf Lauern, ein Liebes- pärchen in flagranti zu erwischen.

Kopulationen sind gefährliche Angelegenheiten und deshalb so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Unsere Vorgänger, vor vielen Millionen Jahren, kopulierten nach demselben Muster – die Erotik war damals eine ziemlich trostlose Angelegenheit.

Als die Vormenschen immer menschlicher wurden, verlor auch die Sexualität ihr Schattendasein und wurde zu einem aufregenden Erlebnis – mit einer luxuriösen Zeitdauer. Die schnellen Kopulierer gerieten zwar außer Mode, aber in besondere Situationen, war es trotzdem angebracht, schnell ans Ziel zu kommen.

War ein Urmenschen-Pärchen bei der Sache und es wurde brenzlich, weil ein Raubtier auftauchte oder ein feindlicher Krieger – bekam er es mit der Angst und ejakulierte auf der Stelle. Seinen Fortpflanzungs- auftrag hatte er erfüllt und am Leben ist er auch geblieben – besser kann es nicht sein.

Oder – eine spröde Urzeitschöne – die nicht so recht wusste was sie wollte; war sie nicht total hin und weg wegen ihm, konnte es sein, dass sie plötzlich keine Lust mehr hatte – auch wenn sie schon voll dabei waren. Merkte er, dass sie nicht in höchste Verzückung geriet, bekam er es mit der Angst um sein Vergnügen gebracht zu werden und machte es deshalb ganz, ganz kurz. Auch dieser Typ Mann war evolutionär erfolgreich, weil er sich trotz der widrigen Umstände fortpflanzte.

Das urzeitliche Kopulationsmuster ist aktiviert

Nun können wir verstehen, was sich in Manfreds Kopf, tief im Unterbewusstsein, abspielt:

Das vorzeitliche Kopulationsmuster – die vorzeitige Ejakulation – von der Natur bereit gehalten, für schwierige Begleitumstände beim Sex, hat die Regie übernommen. Sein Unterbewusstsein empfindet jetzt seine Frau, durch die veränderte Beziehungssituation, als sexuelle Wackelkandidatin, bei der er schnell zum Schuss kommen muss, bevor sie sich die Sache anders überlegt. Der sich selbst verstärkende Teufelskreislauf, der sich einschaltet und gespeist wird von Verlust- und Versagensängsten, potenziert das Ganze und führt zu einem Symptom von beinahe existentieller Bedeutung.

Eine Sexualberatung kann Manfred Einsicht in diese Problematik vermitteln und dadurch sein Bedürfnis nach Aufklärung befriedigen – was ein erster wichtiger Schritt sein kann. Der vorzeitige Samenerguss wird aber erst verschwinden, wenn es ihm gelingt, zu seiner veränderten Beziehungssituation eine positivere Einstellung zu erlangen. Dies könnte das Schwierigere sein. Eine Psychotherapie wäre in so einem Fall dringend anzuraten.

Ein vorzeitiger Samenerguss hat immer mit Angst und Unsicherheit zu tun

Bei einer primären vorzeitigen Ejakulation hat der vorzeitige Samenerguss nichts mit einer speziellen Partnersituation zu tun, denn er tritt mit jeder Partnerin auf, mit der der Mann zusammen ist. Das psy- chosomatische Symptom ist autonom geworden; es hat sich verselbständigt und der Teufelskreislauf aus Versagen und Versagensangst dominiert das Geschehen vollständig.

Eine Sexualberatung zielt in solchen Fällen darauf ab, dem betroffenen Paar Techniken zu vermitteln, die es dem Mann ermöglichen, Kontrolle über seine Erregung zu erlangen. Wie bei der psychogenen Impo- tenz ist auch bei der vorzeitigen Ejakulation die Mithilfe der Frau unerlässlich. Alleinstehende Männer können leider an ihrer Problematik nicht arbeiten, weil eine vorzeitige Ejakulation bei der Selbstbefrie- digung keine Rolle spielt.

Die Paarübungen zur Beseitigung eines primären vorzeitigen Samenergusses sind anfänglich mit den Übungen zur Impotenz identisch, und auf dieser Seite nachzulesen.

Der Mann lernt durch Übung den Ejakulationsreflex zu kontrollieren

Das Paar benutzt dazu die Übung stimuliertes Streicheln; der Mann lernt dabei seine Erregung zu kontrollieren und den Samenerguss hinauszuzögern. Die Frau beginnt den Mann manuell zu stimulieren, und dieser gibt ihr Handzeichen, wenn er nahe an seinen Höhepunkt herangekommen ist. Die Stimulation wird unterbrochen – bis die Erregung sicher abgeklungen ist und dann wieder aufgenommen.

Wichtig ist bei dieser Prozedur, dass ziemlich nahe an den „point of no return“ bei ihm herangegangen wird – auch auf das Risiko hin, dass er ejakuliert. Das kann am Anfang immer wieder einmal passieren – bis der Mann sicherer geworden ist. Erst wenn der Mann seine Erwartungsangst vor dem vorzeitigen Samenerguss verloren hat und durch die manuelle Stimulation sicher geworden ist, seinen Ejakulations- reflex zu kontrollieren, darf das Paar einen normalen Geschlechtsakt probieren.

Hierbei kann es für den Mann sinnvoll sein, nach einigen Stößen zu pausieren oder zurückzuziehen um die Erregung abklingen zu lassen. Sollten dabei Probleme oder Rückfälle auftreten, muss das Stimulations- spiel der Vorübung wieder aufgenommen werden.

Die Anwendung der Squeeze-Technik – bei der die Partnerin den heran nahenden Orgasmus mit einem kräftigen Druck auf die Eichel abstoppt – ist in aller Regel nicht nötig. Die hier vorgestellte Stimulation- sübung ist für ein Paar wesentlich angenehmer, weil sie nicht so technisch ist und vollkommen ausreicht um über einen vorzeitigen Samenerguss Kontrolle zu erlangen.

Die Beschreibung der Übungen ist natürlich sehr vereinfacht und verkürzt dargestellt. In der Praxis sind eine ganze Reihe weiterer Komponenten zu berücksichtigen und individuelle Reaktionen der Paare zu beachten.
Ich hoffe aber der interessierte Leser hat begriffen, in welche Richtung eine Sexualberatung bei einem vorzeitigen Samenerguss geht.