Die Ehekrise des Klaus K.
Mit einer Expartner-Zurück-Strategie zum Erfolg – Blog 1
Liebe Besucherinnen, liebe Besucher,
Der Themen-Artikel „Partner weg – kriege ich ihn jemals wieder • Trennung”
ist von allen Texten meiner Website
derjenige, der die großte Resonanz hervorruft. Das liegt sicher nicht am Text
selber, sondern an den vielen Usern, die wegen einer Trennungsproblematik im
Internet nach Hilfe und Orientierung suchen. Das ist nicht verwunderlich, sind
doch Scheidungen und Trennungen inzwischen zu einem richtigen Massenphänomen
geworden – aber Verlassene reagieren darauf wie eh und je: mit Ratlosigkeit und
Verzweiflung. Die seelischen Nöte können dabei existentielle Dimensionen annehmen
und manchmal sogar zu einem Suizid führen.
Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt! An diesen Leitsatz klammern sich alle
Unglücklichen und ein einziger Gedanke beherrscht sie von früh bis spät: Gibt
es eine Möglichkeit sie oder ihn wieder zurückzugewinnen? Was könnte ich tun,
damit mein Expartner sich mir wieder zuwendet?
Auf der Seite „Partner weg –
kriege ich ihn jemals wieder” gebe ich eine ganze Menge Tipps zu diesem Thema,
die ich an dieser Stelle noch durch ein praktisches Beispiel aus meiner
Beratertätigkeit ergänzen möchte. Dieses Beispiel ist als Orientierungshilfe
für all diejenigen gedacht, die auf der Suche nach psychologischem Rüstzeug
sind, um damit einen Expartner zurückzuerobern oder einen Trennungswilligen zur
Umkehr zu bewegen.
Mit der „Ehekrise des Klaus K.” möchte ich
Ratsuchenden den psychologischen Geist einer so genannten Expartner-Zurück-Strategie
vor Augen führen. Um die Vorstellungskraft des Lesers anzuregen, habe ich mich
entschlossen, die Geschichte des Klaus K. möglichst lebensecht zu erzählen.
Einzelne Passagen bekommen dadurch romanhafte Züge, was den Umfang des Textes
nicht gerade klein gehalten hat; auf manche Leser mag er vielleicht etwas „sperrig”
wirken. User, die generell nur kurze Texte mögen, werden ein Problem damit haben
!
Ich nehme aber an – sehr verehrte Leser –, wenn Sie mit einer
Trennungsproblematik kämpfen, werden Sie Zeit und Muse finden, sich den Ausführungen
zu widmen.
Wenn Sie ein weiblicher Verlassener sind, dann lesen Sie bitte diese
Geschichte mit vertauschten Rollen; sie ist, mit kleineren Einschränkungen, auf
ihre Situation ebenso anwendbar – weil Männlein und Weiblein bei diesen
Trennungsszenarien praktisch eine identische Psychologie haben.
Ich
habe keine Angst durch so einen Ratgeber arbeitslos zu werden
, sondern – ganz im
Gegenteil – meine Arbeit erleichtert sich dadurch und wird erfolgreicher, weil
Ratsuchende sich vor einer Beratung in die Thematik einlesen können und dann meine
Verhaltenstipps und Strategien besser verstehen; auch aus diesem Grunde habe ich
den Text verfasst. Sollten Sie es mit meinen Tipps alleine schaffen Ihren Partner
zurückzuerobern, dann freut mich das ohne Vorbehalt für Sie und ich wünsche Ihnen
für die Zukunft alles Gute!
Viele Ratsuchende sind trotz ausführlicher
Tipps und Anleitungen unsicher, ob diese oder jene Strategie auf ihren speziellen
Fall anwendbar ist. Manchmal sind auch wirklich individuelle Besonderheiten gegeben,
die eine Modifikation der Taktik nötig machen oder sogar eine völlig andere
Strategie erfordern.
Alles was so eine Trennung an psychologischen
Besonderheiten im Gefolge hat, kann man sowieso nicht in einen kurzen Ratgeber
packen – also bleibt für mich in den Beratungsstunden noch genug Arbeit übrig
!
Sollten Sie es in Erwägung ziehen, sich bei mir professionelle Hilfe zu holen, wäre es
sehr, sehr hilfreich für einen erfolgreichen Ausgang der Beratung, wenn Sie möglichst
schnell und umfassend den „psychologischen Geist” begreifen würden, der sich hinter
dieser Expartner-Zurück-Strategie verbirgt – die ich übrigens für sehr effektiv und
wirkungsvoll halte.
Eine psychologische Beratung richtet sich immer an die Ratio
des Ratsuchenden – an seine Vernunft. Anders die Psychotherapie – sie hat mehr die Gefühle
im Auge. Psychologische Beratung hat deshalb auch immer etwas mit Lernen und mentalem
Training zu tun. Je besser Sie sich die „Basics” dazu einprägen und ihren psychologischen
Sinn begreifen, desto leichter wird es Ihnen fallen, sie in die Praxis umzusetzen.
Wenn
ich Sie ein Stück weit durch ein Coaching begleiten soll, sollten Sie die Grundzüge der
Expartner-Zurück-Strategie begriffen haben – und zwar schon im Vorfeld einer Beratung –,
weil ich aus Zeitgründen während eines Coachings keine allzu langen psychologischen
Erklärungen abgeben kann.
Meine Coaching-Mails bzw. Telefonate sind
Verhaltensanleitungen bzw. Strategieanweisungen, die Ihren Partner zur Umkehr bewegen
sollen – wenn eine realistische Chance dazu besteht.
Wenn Sie sich die Mühe
machen und die entsprechenden Texte auf meiner Homepage verinnerlichen, sparen wir Zeit und
Geld – und sind erfolgreicher und effektiver.
Aber – ich habe es schon an anderer Stelle erwähnt: Sehr oft hilft auch die beste Expartner-Zurück-Strategie nichts, weil der Zug abgefahren ist. Sie müssten dann das Unvermeidliche akzeptieren – die Trauerphase durchlaufen und danach das leidvolle Kapitel schließen – es hilft nichts!
Das Jahr 2009 lief nicht gut für Klaus K…
Die hier skizzierte Ehegeschichte hat sich wirklich ereignet, und ich hoffe, dass es für Klaus K.
okay ist, wenn ich sie als Beispiel für eine Expartner-Zurück-Strategie verwende.
Natürlich heißt er nicht Klaus K., und natürlich habe ich wesentliche Teile seiner
Geschichte so verändert, dass kein Bezug zur realen Person hergestellt werden kann.
Wenn Sie dennoch jemanden kennen, auf den diese Geschichte zu passen scheint, ist
das ganz bestimmt reiner Zufall.
Um Ihnen die Auseinandersetzung mit der
Thematik zu erleichtern, habe ich in die fortlaufende Erzählung immer wieder Passagen
eingefügt, die psychologische Erklärungen enthalten. Dadurch bekommen Sie einen Eindruck
von dem, was sich in den Köpfen von Klaus und Nicole K. abgespielt hat; aber auch über
„meinen Kopf” erfahren Sie etwas – den Kopf des psychologischen Beraters bei der
Beratung.
Ehe nicht schlechter als andere
Klaus K. würde seine Ehe bis zum Tag X nicht als schlechte Ehe bezeichnen; jedenfalls
war sie nicht schlechter als die Ehen seiner Freunde und Arbeitskollegen. Es gab keine
großen Streitthemen die mit der Zeit das „Betriebsklima” vergifteten; keine böse
Schwiegermutter; keine Schuldenberge oder lange Phasen von Arbeitslosigkeit; die Kinder
– ein Bub und ein süßes Mädchen (9 u. 7) – alles paletti und im grünen Bereich. Irgendwo
hatte Klaus K. einmal gelesen, dass die länger verheirateten Paare im Durchschnitt nur
noch ein paar Minuten pro Tag miteinander reden – so war das nicht bei ihnen gewesen.
Klaus und Nicole sind seit neun Jahren verheiratet und seit zehn Jahren ein Paar; sie
sind 36 und 33 Jahre alt.
Wirklich prickelnd und leidenschaftlich war ihre
Beziehung natürlich auch nicht mehr; aber welche Beziehung ist das nach zehn Jahren
noch? Für Nicole stand Sex nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr ganz oben auf der
ehelichen Prioritätsliste. Nachdem Jasmin auf der Welt war, gab es bei Nicole eine lange
Phase sexueller Lustlosigkeit, die sich erst ganz allmählich wieder verflüchtigte.
Danach lief es besser – nicht berauschend – aber besser. Mit der Zeit hatte sich Klaus
K. gezwungenermaßen damit abgefunden, dass der Vamp von einst verschwunden aus ihr ist.
In den Anfangsjahren ihrer Ehe begleitete Nicole ihren Mann öfters beim
Angeln – seiner großen Leidenschaft. Mit den Jahren ist das wieder eingeschlafen und
davon, dass auch sie den Angelschein machen wolle, war schon bald keine Rede mehr.
Stattdessen entdeckte Nicole K. ihre Liebe für den Tennissport: Wann immer es ihr
möglich war verbrachte sie Zeit auf dem Tennisplatz oder bei Vereinsaktivitäten; neue
Bekanntschaften knüpften sich dadurch wie von selbst. Im Grunde hatte sich das Ehepaar
K. schon etwas auseinander gelebt, auch wenn noch genügend Gemeinsames existierte.
Im April 2009 hatte Klaus K. einen schweren Radunfall: Er stürzte mit dem
Mountainbike und brach sich einen Lendenwirbel an – haarscharf ging er an einer
Querschnittslähmung vorbei. Die neurologischen Ausfälle im Ischiasbereich bildeten
sich aber alle wieder zurück. Krankenhausaufenthalt, Reha und viele Wochen
Physiotherapie prägten über Monate sein Leben und belasteten auch seine Ehe.
Aber schon vor seinem Unfall, Wochen vorher, hatte er einen gewissen emotionalen
Rückzug bei seiner Frau bemerkt: Kleine Zuneigungsbekundungen, kleine Gesten der
Liebe – für sie sonst immer wichtig – vermied sie zusehends. Besonders aufgefallen war
ihm diese Veränderung an ihrem Geburtstag: Nicole gab sich zurückhaltend und
distanziert – die Freude über sein tolles Geschenk viel befremdlich kühl bei ihr aus.
Als Klaus K. abends mit ihr schlafen wollte kam das nächste Fiasko: Sie brach
in Tränen aus und wies ihn ab. Auf seine Frage „was er falsch gemacht hat” konnte sie
keine rechte Antwort geben; ihre Erklärungen ließen einen beunruhigten und ratlosen
Klaus K. zurück.
Eine Woche später passierte dann der verhängnisvolle Radunfall;
natürlich stand ab da die Besorgnis um seine Gesundheit im Vordergrund. Nicole kümmerte
sich rührend; ihr war die Sorge anzusehen einen Mann aus den Krankenhäusern nach hause
zu bekommen, der vielleicht mit einer Behinderung weiterleben musste.
Das Geständnis
Ihre liebevolle Zugewandtheit wurde aber schnell weniger, als sich abzeichnete, dass
keine bleibenden Schäden bei ihm zurückbleiben würden. Je besser es ihm ging, desto
trübsinniger wurde sie. Rasch hatte wieder diese eigenartige emotionale Abkapselung von
ihr Besitz ergriffen, die er schon kannte. Klaus K. spürte ganz genau, dass er seine
Frau gefühlsmäßig nicht mehr erreichen konnte. Beim gemeinsamen Fernsehabend wirkte
sie oft abwesend und uninteressiert; manchmal blickte sie sinnierend und
gedankenverloren in eine Ecke.
Irgendetwas hatte sie, irgendetwas
bedrückte sie. Zuerst dachte er an eine Krankheit, die sie ihm vielleicht verheimlichte.
Aber hin und wieder wirkte sie auch übermäßig heiter und beschwingt, vor allem wenn sie
mit ihrer Freundin am Telefon quatschte. Einmal piepste im Schlafzimmer ihr Handy: SMS.
Wie der Blitz war sie dran und verzog sich nach draußen. Klaus K. wurde es mulmig und so
beschloss er, sich Gewissheit zu verschaffen.
Drei Tage später war es soweit: Als
die Nachbarin sie bat kurz rüberzukommen, ging er an ihre Handtasche und griff sich das
Ding. Eine Minute später hatte er Gewissheit: Es gab einen Liebhaber; Kai war sein Name;
Klaus K. wusste von ihm; sie hatte ihn einmal erwähnt, wegen seiner sagenhaften
Rückhand; früher wollte er einmal Tennisprofi werden…
Nun – diese beiden hatten
etwas miteinander, und zwar heftig. Der Vamp in ihr war zurückgekehrt, aber für einen
Anderen. Klaus K. war als würde er jeden Moment zusammenklappen. Er packte ihr Handy
weg und verzog sich in seinen Hobbykeller. Im Korridorspiegel sah er beim Vorbeilaufen,
dass er weiß war wie die Wand – so sollte sie ihn nicht sehen, in diesem Zustand. Aber
was sollte er jetzt tun? Das mit dem Handy zugeben? Diese Blöße wollte er sich nicht
geben. Also, bei nächster Gelegenheit den Stier bei den Hörnern packen und sie auf
ihren seelischen Zustand ansprechen; dass mit ihr etwas nicht stimmt; dass sie ihm
etwas verheimlicht; dass er den Verdacht hat, dass sie ihm eine Erkrankung
verschweigt…
Unter der Last seiner inquisitorischen Befragung ist sie schnell
zusammengebrochen und hat ihre „Krankheit” eingestanden: Sie liebt einen Anderen, seit
längerer Zeit; sie weiß nicht warum und weshalb; es ist gut, dass jetzt alles raus ist;
der seelische Druck war furchtbar; für Klaus K. hat sie schon noch Gefühle, aber keine
großen; sie will ihn nicht verlieren; er ist so ein guter Ehemann und Vater; das Andere
aber ist so stark; sie kann diesen Mann nicht aufgeben; sie ist in einer Zwickmühle;
sie weiß nicht wie es weiter geht. Die Worte sprudelten nur so raus aus ihr…
Der Andere trinkt ihr Feuer
Klaus K. war bestürzt und verzweifelt; Heulkrämpfe schüttelten ihn, gefolgt von Anfällen
unbändiger, ohnmächtiger Wut. Auf einsamen Waldwegen herumirrend jagten grässliche Gedanken
und Bilder durch sein Hirn. Eine ganze Palette negativer Emotionen kochte immer wieder
hoch in ihm und befeuerte seinen Zorn. Am Allerschlimmsten aber war der Neid auf den
Sex der Beiden – dieses Gefühl fraß sich wie ein Krebs in seine Seele.
Er
selbst hatte seine körperlichen Bedürfnisse jahrelang hintangestellt und Rücksicht
genommen, weil sie nicht mehr so wollte oder konnte. Es hatte Monate ohne Sex gegeben,
die er überstehen musste. So mancher Mann hätte sich da längst nach was Anderem
umgeschaut. Nicht so Klaus K. – er liebte sie und absichtlich war sie ja nicht so.
Er hatte gewartet, geduldig gewartet, was blieb ihm auch anderes übrig. Irgendwann
ist es auch wieder besser geworden – toll und berauschend aber trotzdem nicht.
Er hatte zurückgesteckt und nachgegeben, weil er sie liebte und nicht verlieren
wollte; und nun hatte er sie wahrscheinlich trotzdem verloren.
Dass eine rasende
Leidenschaft sie vielleicht jetzt Dinge tun ließ – mit dem Andern – die in ihrer
langweiligen Ehe tabu für sie waren…dieser Gedanke brachte Klaus K. fast um den
Verstand…
Die häusliche Situation war dementsprechend spannungsgeladen.
Auf ihre Bitten hin ist er aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen und ins
Gästezimmer übergesiedelt. Die Kinder fingen an unter der Situation zu leiden,
die sich langsam in ihrer bisher so heilen Welt breitmachte. In schwierigen
Gesprächen vermittelten die Eltern den beiden, dass Mami und Papi zurzeit Probleme
miteinander haben. Nicole hatte den Vorschlag gemacht, dass sie jetzt einfach einmal
abwarten und Zeit verstreichen lassen. Sie wollte an ihrer häuslichen Situation nichts
verändern – im Moment. Sie wollte sich mit ihrem Liebhaber weiterhin treffen und
sehen, wie sich ihre Gefühle entwickeln. Andererseits wollte sie ihrer Ehe aber
auch noch eine Chance geben; sie wollte jetzt nicht alles hinwerfen. Sie wollte
warten und insgeheim hoffte sie wohl, dass sich irgendetwas ergab, das ihr die
Entscheidung abnahm. Sie bat ihren Ehemann, ja sie flehte ihn regelrecht an, das
Spiel jetzt einfach einmal mitzumachen. Er willigte ein, schweren Herzens, denn
er wollte um ihre Liebe kämpfen – koste es was es wolle.
Klaus K. kämpft um Nicole
Im Hause von Klaus K. spielten sich in der Folgezeit merkwürdige Szenen ab: Kämpfen
um Nicole bedeutete für Klaus K., dass er seiner Frau viel Aufmerksamkeit zuteil werden
ließ und darauf bedacht war, ihr vermeintliche Wünsche zu erfüllen. Klaus K. kehrte den
Gutmenschen aus sich heraus und den topp Ehemann: Er machte ihr Geschenke und führte
sie zum Essen in teure Restaurants. Pläne wurden geschmiedet für einen gemeinsamen
Winterurlaub. Klaus K. kam auf Probleme und Schwierigkeiten zu sprechen, die seine
Ehe belasteten; wollte den Angelsport reduzieren und mehr Zeit mit der Familie
verbringen usw…
Durch ihr außerhäusiges „Engagement” hatte Nicole K. ungewollt
für frischen Wind in ihrer Ehe gesorgt – der kehrte jetzt das Unterste zu oberst.
Ironischer Weise hätte man sagen können, dass ihre Ehe dadurch sogar viel besser
geworden ist – so komisch das auch klingt –, einerseits jedenfalls. Andererseits
hatten sich Nicoles Gefühle für ihren Ehemann nicht verändert; sie waren weiterhin
kumpelhaft, freundschaftlich und kameradschaftlich – aber keinesfalls erotisch.
Kampf bringt nichts
Da Klaus K. alles aufbot, um der beste Ehemann der Welt zu sein, erwartete er
natürlich Ergebnisse – sehnsüchtig. Oft dachte er an ihre Anfangszeit zurück.
Damals war Nicole umschwärmt und heiß begehrt. Die zwei Typen die auch noch hinter
ihr her waren hängte er aber ab – mit viel Fleiß und viel Engagement. So ähnlich
stellte er sich das jetzt wieder vor: „Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn
die Nicole nicht wieder umschwenken würde, nachdem was er alles für sie tat”.
Und Klaus K. hatte sich schon etwas gehen lassen in seiner Ehe. Die Anglerei z. B.
war ihm schon sehr, sehr wichtig gewesen und manchmal hatte sie sich darüber beklagt.
Das wollte er mit eiserner Konsequenz abstellen. An sein geliebtes Forellengewässer,
das er mit zwei Kumpels gepachtet hatte, zog es ihn überhaupt nicht mehr. Lieber machte
er mit ihr etwas und den Kids; da sah er seine Zeit viel besser investiert.
Aber
dann überkamen ihn wieder blöde Gedanken: Irgendwie fiel sein riesen Engagement nicht
auf so fruchtbaren Boden wie er erhoffte. Zweifel überkamen ihn; durchgrübelte Nächte
ließen ihn manchmal fahrig werden und nervös. Auch konnte keiner behaupten, dass er
blendend aussah: Tiefe Ringe unter den Augen und ein niedergeschlagener Gesichtsausdruck
zeugten von den inneren Kämpfen, die seine arme Seele erdulden musste.
Die
nagende Ungewissheit was werden wird, war das Schlimmste an der ganzen Sache: „Hat das
wirklich alles einen Sinn, was ich da tue”? Diese Frage stellte er sich immer wieder.
„Wenn ich doch nur in die Zukunft blicken könnte; wenn ich wüsste, dass in einem halben
Jahr wieder alles paletti wäre – diese Zeit durchzustehen wäre ein Klacks. Aber so!”
An einem Sonntag hatten sie einmal alle vier einen schönen Nachmittag verbracht.
Für den Abend hatte Klaus K. eine CD organisiert, von der er wusste, dass sie die schon
lange einmal sehen wollte; und sie hatte sich auch wirklich sehr darüber gefreut.
Als er dann ein Fläschchen des guten Roten aufmachte, sich neben sie setzte und wie
beiläufig seinen Arm um ihre Schulter legte, kam die kalte Dusche: „Ach Klaus, das
lassen wir jetzt besser sein”, mit diesen harten Worten nahm sie seinen Arm und legte
ihn zurück auf die Stuhllehne. Und dann war es vorbei mit seiner nonchalanten Haltung;
aufspringend vom Stuhl machte er ihr die heftigsten Vorwürfe: „Dass diese Show ja wohl
ungeheuerlich sei, die sie da abziehe, die ganze letzte Zeit. Ob sie sich wohl auch so
ziert, wenn der Andere sie anfassen will; sie wäre undankbar und wirklich das
Allerletzte”…Nicole bekam einen heftigen Weinkrampf und verzog sich ins Bad.
Erklärung
Zweierbeziehungen bzw. die Gefühle die Paare füreinander hegen, sind sehr abhängig
davon, wie sich die emotionale Machtverteilung in den Beziehungen gestaltet. Mit
Macht meine ich jetzt nicht das Recht des körperlich Stärkeren Dominanz auszuüben –
was es natürlich auch gibt – sondern die Macht der Liebe. Diese Macht macht meistens
einen von Beiden „stärker” und den anderen „schwächer”. Natürlich sind Gefühle
immaterielle Erscheinungen, die sich nicht quantifizieren lassen und messen. Aber
wir können sie subjektiv als stark, schwach oder auch als völlig abwesend
identifizieren. Auch sind wir durch besondere Fertigkeiten unseres Gehirns in der
Lage, Gefühlszustände bei anderen abzuschätzen und einzuschätzen; dies ermöglicht
es uns z. B. auch Mitleid zu empfinden.
Wenn ein Mann von sich behauptet,
er liebe seine Frau stärker als sie ihn, dann kann er seine Aussage nicht objektiv
beweisen, weil es dafür keine Messmethode gibt. Aber er kann seine Aussage an bestimmten
Verhaltensweisen seiner Frau festmachen, die ihn zeigen, wie sie zu ihm steht.
Natürlich sind solche Aussagen immer spekulativ und unterliegen Fehleinschätzungen,
aus denen dann wieder Missverständnisse erwachsen können – das mit den Gefühlen ist
halt immer so eine Sache…Dennoch herrschen unter Paaren, die länger zusammen sind –
unbewusst und subjektiv – ziemlich gute Einschätzungen über Art und Stärken ihrer
gegenseitigen Abhängigkeiten.
Liebe und Macht
Der, der in einer Partnerschaft mehr liebt, bzw. der, der den Anderen mehr braucht
als umgekehrt, ist in der Beziehung der „Schwächere”. Er ist abhängiger von den Launen
und den Verhaltensweisen des Anderen; abhängiger als es umgekehrt der Fall ist. Wenn
sein Partner die Beziehung beenden würde, käme das für ihn einer Katastrophe gleich.
Umgekehrt ist das sicher nicht ganz so: Würde der, der weniger liebt, verlassen
werden (was nicht leicht vorkommt), würde er wahrscheinlich nicht sofort vom nächsten
Hochhaus springen.
Interessant ist die psychologische Begebenheit, dass
sich diese unausgeglichenen Beziehungen – wie einem Naturgesetz folgend – immer
weiter polarisieren; das heißt, dass die Gefühlsspannen zwischen den beiden immer
größer werden. Einer liebt immer mehr, der andere dadurch immer weniger – bis das
Ganze kollabiert und dann auseinander fliegt. Diese psychologischen Abläufe fußen –
letztendlich – auf Verhaltensweisen der Rivalität, die unter Lebewesen einer Art ganz
normal sind; auch zwischen den Geschlechtern; und die eine Hunderte von Millionen Jahre
währende Entwicklungsgeschichte hinter sich haben. An anderen Stellen meiner Seite
gehe ich vertiefter auf diese evolutionären Mechanismen ein.
Fazit von dem Ganzen ist, dass Gefühle der Liebe immer negativ korreliert sind
mit solchen der Macht. Macht und Kontrolle über eine Beziehung zu haben, wird
unweigerlich mit einem Verschwinden von Emotionen bezahlt.
Das gilt z. B.
auch für Beziehungsformen, die auf der Basis einer S/M Partnerschaft aufgebaut sind.
Der Dominante in diesen Beziehungen „liebt” seinen Subdominanten und umgekehrt. Hier
ist eine ungleiche Machtverteilung in der Beziehung die Voraussetzung für ihr
Zustandekommen. Aber es handelt sich dabei um eine „äußere” Macht, die auf der Basis
von Dominanz und Unterwerfung funktioniert. Über die „innere” Machtstruktur solcher
Beziehungen sagt dieses „äußere” Machtverhältnis nicht unbedingt etwas aus, obwohl
natürlich „innere” und „äußere” Macht wechselwirken.
Das „wahre” Machtverhältnis
kann sich in diesen Beziehungen genau so verschieben wie in „normalen” Beziehungen
auch, nämlich dann, wenn der masochistische Part anfängt seinen Dom weniger zu lieben
und nicht mehr so attraktiv zu finden wie umgekehrt. Dann übernimmt automatisch er die
„innere” Macht über die Beziehung. Dann ist er der wahre Mächtige, obwohl sein
dominanter Partner nach außen hin immer noch als der Starke und Überlegene in
Erscheinung treten kann.
Klaus K. verliert an Macht
Als Nicoles Libido nach der Geburt ihrer Kinder drastisch abflaute, hatte das fatale
Auswirkungen auf das emotionale Gleichgewicht ihrer Beziehung, da ihr schwaches
Sexualverlangen sie nun zum Beziehungsmächtigen machte. Klaus K. verlor an Macht,
weil er sexuell sehr stark an seiner Frau interessiert war und er sich plötzlich
in der Rolle des bedürftigen Bittstellers wieder fand. Nicole konnte lange Phasen
ohne Sex und körperliche Nähe aushalten, und ihr schien nichts zu fehlen dabei –
während er auf dem Zahnfleisch robbte.
So kam er in die ungünstige Situation,
dass sein körperliches Wohlbefinden von den Stimmungen seiner Frau abhängig wurde.
Natürlich hat Nicole das alles nicht absichtlich und bewusst herbeigeführt – es hat
sich einfach so ergeben.
Macht wird in Partnerschaften immer auch für manipulative
Zwecke eingesetzt, wie im übrigen Leben halt auch. So ist Nicoles schwache und
störanfällige Libido regelmäßig in sich zusammengefallen, wenn es in der Beziehung
Vorkommnisse gab, über die sie sich geärgert hatte. Ihre unbewussten
„Bestrafungsaktionen” erfüllten manches Mal „ihren Zweck” und „disziplinierten”
Klaus K., sodass er klein beigab. Manches Mal funktionierte das auch nicht und dann
düste er enttäuscht und sauer an sein Forellengewässer und entspannte sich auf seine
Art…
Um verlorenen Boden wieder gut zu machen, war er ein anders Mal
wieder betont nett und unterwürfig und tat alles was sie wollte – und noch ein kleines
bisschen mehr. Obwohl Nicole nicht berufstätig war und so in einem gewissen
Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Mann stand, hatte sie wegen ihrer Dominanz im
emotional-sexuellen Bereich die „innere” Macht über die Beziehung. Diese Macht
verfestigte sich mit der Zeit mehr und mehr. Auch ihre Tennisaktivitäten trugen dazu
bei und die neuen Freundschaften die sie knüpfte. Obwohl finanziell von ihm abhängig,
wurde sie zunehmend emotional autonom und autark – auch weil seine Leistungen
für das Wohl der Familie ihr als pure Selbstverständlichkeit erschienen.
Ein gefühlsmäßiges Auseinanderdriften war vor diesem Hintergrund im Grunde
vorgezeichnet. Als dann noch dieser tolle Kai mit seiner sagenhaften Rückhand
auftauchte, war es um die gute Nicole geschehen…
Ihre Affäre bringt
nun die Grundfesten der ehelichen Basis tüchtig ins Wanken; Emotionalitäten, wohin
man schaut:
Ihr ist bewusst, dass sie auch ganz schön baden gehen könnte und dass am Ende
vielleicht der Lover weg ist und auch der Ehemann. Ihre zwei Kinder könnten dann
die Leidtragenden sein – in einem Spiel, bei dem dann keiner der Gewinner ist.
Ihm ist bewusst, dass es jetzt ums Ganze geht; dass er sie nach wie vor liebt;
dass er gerade jetzt sie ganz besonders liebt – jetzt, da er sie vielleicht für
immer verliert. Darum will Klaus K. um ihre Liebe kämpfen – kämpfen wie ein Berserker.
Aber dieser Kampf funktioniert nicht – weil dieser Kampf nicht funktionieren kann.
Klaus K. kann so nicht gewinnen
Am Anfang, in der Zeit des Kennenlernens, in der Werbephase, in der alles noch neu ist und
unsicher, da kann ein starkes männliches Engagement Erfolg versprechend sein, weil er seiner
Herzdame damit Beständigkeit und Sicherheit signalisiert – als vertrauensbildende Maßnahme
sozusagen.
Der Unsicherheit einer Frau und ihrer Angst einen Missgriff zu tun, kann auf dieser
Weise wirksam entgegengetreten werden. Hierbei werden uralte, tief in der weiblichen Seele eingebettete
Bedürftigkeiten bedient. Ist sie interessiert aber noch abwartend – weil sie nicht so recht weiß, was
sie von ihm halten soll – helfen große Blumensträuße und schicke Restaurants ihr die Zweifel
auszutreiben
.
Aber in der Situation, in der sich Klaus K. jetzt befindet, helfen
alle diese Mittel nichts, weil Nicole die Macht über die Beziehung hat und emotional auf ihren
Liebhaber fixiert ist. Wenn er sich jetzt für sie „zerreißt”, vergrößert er das Machtungleichgewicht
nur noch mehr; er macht sich dann zwar liebenswert aber nicht begehrenswert. Das ist ein feiner,
aber alles entscheidender Unterschied: Sie hat ihn buchstäblich in der Hand – und etwas, das man so
sicher hat, ist einem meistens nicht sonderlich viel wert. Der Lover aber steht für Aufregung,
Unsicherheit und Romantik – dadurch kribbelt es und die Schmetterlinge können flattern…
Im Internet findet man Hilfe
Irgendwie verspürte Klaus K. das oben Gesagte und in seiner Rat- und Hilflosigkeit fing er im
Internet zu googeln an. Stundenlang klapperte er die einschlägigen Seiten ab, die sich mit
Beziehungsthemen beschäftigen. Er fand Foren in denen Verlassene ihre Problematik posteten –
um Rat und Hilfe bei der Foren-Community zu finden. Klaus K. sah, dass er nicht alleine war…
In einem der Stränge wurde er auf eine Seite aufmerksam gemacht, die Informatives zum
Thema „Trennung” anbieten sollte. Klaus K. klickte die Seite an und – wow – Treffer! Genau
nach so etwas hatte er schon lange gesucht.
Der Seitenbetreiber – ein Verhaltensbiologe –,
betrachtete das Beziehungsverhalten des Menschen unter einem evolutionspsychologischen Aspekt
und kam dabei zu interessanten Schlussfolgerungen.
Auf der „Trennungsseite” wurde von ihm
die Problematik eines Beziehungsendes so überzeugend dargestellt, dass Klaus K. sofort einige der
Fehler erkannte, die er bereits gemacht hatte. Klaus K. war begeistert und zum ersten Mal
verspürte er wieder so etwas wie Hoffnung.
Und er verfasste eine Mail, eine Mail die sein
Leben verändern sollte: Klaus K. wollte sich beraten lassen; er wollte sich coachen lassen; er
wollte mit fremder Hilfe einen Weg finden, der ihn von diesem Alptraum befreit – denn langsam
hatte er keine Kraft mehr zum Kämpfen; er sah kein Land mehr; er war langsam am Verzweifeln.
Der Internet-Berater machte, wie erwartet, Klaus K. auf einige Fehlvorstellungen
aufmerksam, denen er aufgesessen war: Die wichtigste war die, dass er durch ein „Kämpfen” um
seine Beziehung, so wie die Meisten dieses Wort verstehen, keine Chance haben wird, seine Nicole
zurückzugewinnen. Das Nächste auf das er hinwies, war der lange Atem, den er vermutlich brauchen
würde um Erfolg zu haben. Und last not least: Ein Erfolg wäre trotzdem eher unwahrscheinlich –
bei der heftigen Romanze, die sein Eheweib am Laufen hatte.
Klaus K. kam von seiner
Anfangseuphorie schnell wieder ab; zu ernüchternd und nicht gerade optimistisch klangen die
Mails des Beraters. Er verstand natürlich was dieser meinte, nämlich dass die Verliebtheitsphase
seiner Frau allerhöchstens mit einer Zauberei aus der Welt zu schaffen wäre; aber dass Zauberei
nicht in das Metier eines psychologischen Beraters fällt. Nach dessen Meinung könnte aber die
Chance bestehen, dass die Affäre seiner Nicole nicht in eine normale Beziehung mündet; dass sie
sich als Strohfeuer entpuppt, oder dass sie an den Bedingungen der Realität zerbricht.
Expartner-Zurück-Strategie
Klaus K. könne diese Abläufe nicht direkt beeinflussen, aber möglicherweise indirekt. Diese
indirekte Art der Einflussnahme sah der Berater als seine Domäne an; dabei könne er Klaus
K. unterstützen – mit einer Expartner-Zurück-Strategie.
Aber, und das brachte er noch
einmal unmissverständlich zum Ausdruck, ein Scheitern all dieser Bemühungen wäre trotzdem
wahrscheinlicher als ein Erfolg. Der Internet-Berater wollte mit seinen eher pessimistisch
klingenden Aussagen unbedingt vermeiden, dass Klaus K. sich allzu übertriebenen Hoffnungen
hingab. Das war ihm gut gelungen: Resignation und Traurigkeit machten sich sofort wieder breit
bei ihm – die Anfangsbegeisterung war nun restlos weg.
Aber was sollte er denn machen?
Irgendeine Alternative hatte er ja auch nicht; und einem Geistheiler irgendwo auf der Welt seine
Kohle in den Rachen zu werfen, damit dieser seine Nicole „entzaubert” – so dumm war er natürlich
nicht – auch in seiner größten Not nicht. Und der Berater war ihm irgendwie sympathisch; dass der
ein Abzocker sein könnte, das glaubte Klaus K. nicht, dazu waren seine Aussagen viel zu
pessimistisch. Also ging er auf den Deal ein und überwies ein überschaubares Beraterhonorar.
| Ab hier geht′s gegen eine kleine Gebühr spannend weiter! |