Impotenz – Die Online-Sexualberatung
Impotenz ist eine sexuelle Funktionsstörung
Von Impotenz oder erektiler Dysfunktion spricht man dann, wenn die Erektion des Penis, was Stärke und Dauer anbelangt, zum Geschlechtsverkehr nicht ausreicht. Dabei kann der Penis völlig schlaff bleiben oder sich nur ungenügend versteifen. Beim Einführen kann die Erektion sofort zurückgehen oder nach kurzer Zeit.
Bei den meisten Männern tritt eine Impotenz nur
dann auf, wenn ein Geschlechtsverkehr ausgeführt werden
soll.
Verunmöglicht Impotenz die Selbstbefriedigung und kommt
es anderweitig zu keinen Spontanerektionen – wie nachts
oder früh morgens vor dem Erwachen – muss an eine organisch
verursachte Impotenz gedacht werden.
In solchen Fällen ist eine urologische Diagnostik, die die
Funktionsfähigkeit der Schwellkörper überprüft, unumgänglich.
Eine Vielzahl von Erkrankungen kann eine Impotenz
im Gefolge haben – die aber hier nicht zur Diskussion
stehen sollen.
Die Online-Sexualberatung auf dieser Website möchte sich
ausschließlich mit der psychogenen Impotenz
beschäftigen – jener Form von Impotenz, die durch
seelische Konfliktsituationen bzw. durch unbewusste
Versagensängste verursacht wird.
Unter diesem Aspekt kann man die Impotenz als eine
psychosomatische Funktionsstörung auffassen.
Die Impotenz hat ihre Wurzeln in der Urzeit
Treten beim Menschen körperliche Fehlfunktionen auf,
wie z.B. ein vorzeitiger Samenerguss oder eine Impotenz
oder irgend ein anderes körperliches oder seelisches Symptom,
ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass solche Störungen
eine Anpassung an frühere Entwicklungsstufen darstellen können.
Aktivieren sich diese urzeitlichen Adaptationen dann in der
Neuzeit – in der sie nichts zu suchen haben – stiften sie
nur Unfug.
Evolutionsbiologisches Wissen kann dabei helfen,
körperliche Störungen wie z.B. eine Impotenz, psychologisch
so einzuordnen, dass sie als Teil eines übergeordneten
Regulationssystem begriffen werden können – was für eine
Besserung im Rahmen einer Sexualberatung sehr wichtig sein
kann.
Im Folgenden soll an Hand eines Beziehungsbeispieles
dargestellt werden, wie das Selbstbewusstsein
eines Mannes, das sehr eng mit seinem Sozialstatus
verknüpft ist, bei der Entstehung einer Impotenz
die Hauptrolle spielt.
Das Beispiel ist frei erfunden – jegliche Ähnlichkeit mit
realen Personen wäre rein zufällig.
Statusverlust und Impotenz
Herbert war Abteilungsleiter in einem großen Betrieb, der
elektronische Bauteile herstellte. Er ist seit einem halben
Jahr arbeitslos, weil seine Firma in Konkurs gegangen ist.
Herbert ist 34 Jahre alt und seit drei Jahren mit Eva, 29,
einer attraktiven Chefsekretärin verheiratet. Die beiden
führten bislang eine gute Ehe und auch ihre gemeinsame
Sexualität ließ nichts zu wünschen übrig.
Von einem Tag auf dem anderen war Herbert jedoch nicht mehr
der Liebhaber, so wie Eva ihn kannte:
Er litt plötzlich unter vorzeitigen Ejakulationen verbunden
mit einer Impotenz, die seine Erektionsfähigkeit stark
verminderte. Sex war für beide fortan ein frustrierendes
Erlebnis. Eine aufwendige urologische Diagnostik, verbunden
mit einer Sexualberatung, erbrachte keine pathologischen
Abweichungen – Herbert war organisch ganz gesund.
Mit einem die Potenz fördernden Medikament verbesserte
sich zwar seine Impotenz – der vorzeitige Samenerguss
konnte aber nicht beeinflusst werden – was ihn seelisch
sehr stark belastete.
Wegen der ständigen Misserfolge verlor er schließlich
jegliches Interesse an sexuellen Aktivitäten.
Er zog sich komplett von seiner Frau zurück und vermied
sogar harmlose Alltagszärtlichkeiten, was sie sehr traurig
stimmte. Eva konnte mit der ganzen Sache überhaupt nicht
umgehen, weil sie nicht wusste, was sie davon halten sollte.
Herbert war einfach nicht in der Lage, über seine
Problematik Auskunft zu geben. Sie nahm daher stillschweigend
an, dass er kein erotisches Interesse mehr an ihr hatte.
Diese Missverständnisse führten ständig zu einer gereizten
Stimmung zwischen den beiden, die sich durch Kleinigkeiten
in heftigen Streitereien entlud – die tagelang weiter
schwelten. Um Abstand von ihrer misslichen Ehe-Situation
zu bekommen, entschied sich Eva, für drei Wochen mit einer
Freundin in Urlaub zu fahren.
Herbert kannte von seiner Firma her eine Auszubildende, die,
jetzt genau wie er, auf der Straße stand und mit der er ab
und zu telefonierte. Sabine hatte ihm in der Firma schon
immer schöne Augen gemacht und aus einem Gefühl der Einsamkeit
heraus verabredete er sich mit ihr auf einen Kaffee.
Es kam, wie es kommen musste: Sie kamen sich näher und
schliefen miteinander.
Vor lauter Aufregung hatte er aber seine Potenzpillen
vergessen, was aber gar keine Rolle spielte, denn er
hatte eine prächtige Erektion – von einer Impotenz war
nichts zu bemerken; auch konnte er durchhalten ohne
vorzeitig zu ejakulieren.
Was könnten nun die Gründe sein, die Herbert bei seiner Frau
eine Impotenz bescherten – bei Sabine aber nicht zum Tragen
kamen?
Ganz einfach: Herbert ist kein geeigneter Sexualpartner
mehr für seine Frau. Diese Feststellung hat sein
Unterbewusstsein getroffen – ganz gegen seinen Willen.
Um den evolutionspsychologischen Mechanismus zu verstehen,
der in einem solchen Fall im seelischen Untergrund die
Weichen stellt, ist es sinnvoll ins Tierreich zu schauen,
weil alle höheren Tierarten dieselben Grundprobleme bei
der Fortpflanzung zu bewältigen haben.
Nur die besten Männchen pflanzen sich fort
Im Tierreich ist es allgemein so, dass die Männchen sehr
stark um die holde Weiblichkeit konkurrieren und diese
Rivalität ist es, die sie in der Regel größer und stärker
gemacht hat als die Weibchen – und aggressiver.
Männchen müssen sehr schnell von Kampf auf Balz umschalten
können, da es für sie wichtig ist, nach der Vertreibung
eines Rivalen sofort der Angebeteten den Hof zu
machen – noch bevor ein neuer Konkurrent auf der Bildfläche
erscheint.
Ihr Sexualverhalten besteht deshalb aus einer
Mischmotivation – neben Liebesgefühlen existieren
auch immer aggressive Regungen mit einem Hang zur Dominanz – auch
den Weibchen gegenüber.
Diese erhören nur die Siegertypen und es
ist selbstverständlich, dass diese vor den Weibchen keine
Angst haben oder sich ihnen sonst wie nicht gewachsen fühlen.
Kommt es doch einmal vor, dass ein Männchen im Tierreich
einem Weibchen unterlegen ist, weil es z.B. zu jung und zu
unerfahren ist, verliert das Weibchen sofort jede
Paarungsstimmung – da es das Männchen nicht für voll nimmt
und deshalb für untauglich hält.
Zeitgleich weiß dann auch er, dass sie eine
Nummer zu groß für ihn ist – was ihm sinnvoller Weise jede
Lust nimmt seine Eroberungsversuche fortzusetzen, da sie
reine Verschwendung von Zeit und Energie wären.
Für so ein Männchen zahlt es sich biologisch aus, sich
sofort nach einer geeigneteren Partnerin umzusehen.
Diese uralten stammesgeschichtlichen Anpassungen existieren
bei den allermeisten Wirbeltieren und auch bei uns Menschen,
und sind der Grund, warum bei den Männern sich erotische
Gefühle nicht mit Angst vertragen, aber sehr gut mit Aggression
und Dominanz.
Bei den Damen ist es umgekehrt: Ihre Sexualität passt nicht
mit Dominanz zusammen, aber in gewisser Weise mit
Ängstlichkeit und Unterwürfigkeit (ich weiß:
ein ganz gefährliches und heikles Thema – aber dies ist
die Ansicht eines völlig neutralen Naturbeobachters, der
keine persönlichen Wertungen vornimmt und der vor allem
nicht damit zum Ausdruck bringen möchte, dass Männer ihre
Ehefrauen in Angst und Schrecken versetzen sollten).
Die Einstellung ist entscheidend
Aber kommen wir nun wieder zu Herbert zurück, unserem
Fallbeispiel und seiner Impotenz:
Herbert war schon immer ein strebsamer Mann gewesen, der
es im Leben zu etwas bringen wollte. Auf seinen Chefposten
war er ganz besonders stolz und sein Selbstwertgefühl speiste
sich ausschließlich aus dieser Quelle. Seine Frau hatte zwar
auch einen guten Job, aber mit seiner Position konnte sie
natürlich nicht mithalten.
Der Jobverlust hat Herbert in seinen Grundfesten erschüttert.
Das Alphamännchen ist auf der imaginären Rangleiter bis nach
unten gepurzelt. Insgeheim empfindet er eine tiefe Scham
gegenüber seiner Frau – so als wäre seine Arbeitslosigkeit
auf eigenes Verschulden zurückzuführen.
Dieser Statusverlust macht es für ihn nun unmöglich, eine
befriedigende Sexualität mit seiner Frau zu haben. Daran
ändert auch die Tatsache nichts, dass seine Frau die Situation
völlig anders bewertet und in ihm keineswegs den Versager sieht.
Er jedenfalls erlebt auf einer unbewussten seelischen Ebene
seine Frau jetzt als übergeordnet und bedrohend und sieht
sich selbst als Niete – der es natürlich nicht gestattet ist,
mit so einem hochrangigen Weibchen zu kopulieren. Der aktivierte
Hemmmechanismus führt zur Impotenz – er drosselt den
Blutzufluss in sein bestes Stück und macht es schlaff und
funktionslos.
Sex in der Urzeit war manchmal gefährlich
Noch ein Wort zur vorzeitigen Ejakulation:
Die sexuelle Vereinigung ist im gesamten Tierreich ein
für das Paar gefährlicher Akt.
Kopulierende Tiere sind auffällig und unaufmerksam,
was sie leicht zum Opfer von Fressfeinden werden lässt.
Dies ist der Grund, warum Kopulationen im Tierreich meist
relativ kurz verlaufen.
Beim Menschen hat die Sexualität aber neben der Fortpflanzung
noch die wichtige Funktion der Paarbindung. Um den sinnlichen
Genuss zu erhöhen, hat die Natur die Sexualität des Menschen
mit einer luxuriösen Zeitdauer ausgestattet, die aber in der
Urzeit mit dem Risiko behaftet war, dabei von einem
Säbelzahntiger gefressen zu werden.
Natürlich hat die Evolution einen Weg gefunden, dieses
Risiko geringer zu machen: die vorzeitige Ejakulation.
Die vorzeitige Ejakulation ist sehr wahrscheinlich keine
Neuerfindung, sondern die Aktivierung des alten vormenschlichen
Kopulationsmusters, das sich automatisch dann einschaltet,
wenn der Mann sich einer bedrohlichen Situation ausgesetzt sieht.
Sah ein Vormensch beim Liebesakt einen anschleichenden
Säbelzahntiger, ejakulierte er auf der Stelle und das
Liebespaar machte sich schleunigst vom Acker.
Der neuronale Schaltkreis, der für den Ejakulationsreflex
verantwortlich ist und der im Sakralbereich des Rückenmarks
liegt, wird durch sexuelle Betätigung in Erregung versetzt
und durch Angst zusätzlich aufgeladen – was den Liebesakt
sofort abkürzt bzw. auch abkürzen sollte.
Es liegt die Vermutung nahe, dass Herbert durch seinen
Positionsverlust nun seine Frau so bedrohlich erlebt,
als wäre sie selbst der Säbelzahntiger.
Bei der anderen ist er der King – von Impotenz keine Spur
Sabine hingegen sieht er immer noch als das an, was sie
einmal war: eine kleine Auszubildende, die ihren Chef
anhimmelt.
Da er sich ihr gegenüber immer noch als Alphamann sehen kann,
besteht der große Rangunterschied weiter, der für ihn so
wichtig ist, um sexuell funktionieren zu können.
Das Tückische an der Impotenz ist, dass sie in modernen
Zeiten eine Ausweitung erlebt habt, die es in urtümlichen
Zeiten sicher so nicht gegeben hat: Die körperliche Liebe
als Ausdrucksform der modernen Leistungsgesellschaft birgt
den Keim des männlichen Versagens in sich – der archaische
Mechanismus der Impotenz wird aktiviert, durch die Angst,
nicht gut genug zu sein – beim Sex.
Die Sexualberatung zielt auf den Selbstverstärkungsmechanismus
Eine Impotenz kann sich, wie jede andere körperliche
Funktionsstörung auch, durch einen innerseelischen
Kreisprozess selber verstärken und
aufschaukeln.
Ängste, die diese Symptome auslösen, führen rückwirkend
zu einer Verstärkung des Ausgangssymptoms.
Das heißt: die Angst vor Impotenz führt zu Impotenz!
Psychosomatische Funktionsstörungen bestehen deshalb immer aus zwei Anteilen: dem Symptom und seiner neurotischen Selbstverstärkung.
So kann es sein, dass der seelische Auslöser eines psychosomatischen Symptoms wegfällt, ohne dass das Symptom verschwindet – weil der geschlossene Schaltkreis sich selbst am Leben erhält.
Im Rahmen einer Sexualberatung sind diesen Mechanismen
bei der Impotenz besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Es kommt allerdings seltener vor, dass eine Impotenz, wie
die bei Herbert, sich so gut mit einem belastenden
Lebensabschnitt verknüpfen lässt. Meist leiden die Ratsuchenden
schon sehr lange unter der Situation – die ursächlichen
Auslöser bleiben dabei oft im Dunkeln.
Meist nicht so tragisch, da der sich ständig neu aufladende
Kreis-Prozess das alles entscheidende Thema ist.
Als Mann kein richtiger Mann zu sein, ist für
alle Männer schrecklich – Impotenz führt zu einer
drastischen Störung des männlichen Selbstbewusstseins.
Das Selbstbewusstsein eines Mannes ist aber für eine
funktionierende Sexualität – wie das obige Beispiel
gezeigt hat – von herausragender Bedeutung.
Eine Sexualberatung zielt darauf ab, dem
Hilfesuchenden Einblick in die Psychodynamik seiner
Impotenz zu ermöglichen – in der Vorstellung, seine
zwanghafte und stark leistungsorientierte Einstellung
abschwächen zu können.
Viagra und Co unterbrechen den Kreislauf
Moderne Medikamente zur Behandlung einer Impotenz können,
mit etwas Glück, auch den sich selbst verstärkenden
neurotischen Kreislauf außer Kraft setzen – eine Behandlung
wäre dann nicht nur symptomatisch.
Die Gewissheit, mit einem Medikament die Kontrolle
über ein so unheimliches Symptom zu haben, wie es
eine Impotenz ist, vertreibt schlagartig den Stress beim
Sex und die Angst.
Bei einer rein psychogen bedingten Impotenz kann mit
einem Anwachsen der Selbstsicherheit oft eine
Dosisreduzierung vorgenommen werden.
Hat der Betroffene schließlich die Einstellung erreicht,
dass es ihm unbedeutend geworden ist – ob es einmal
klappt oder nicht – braucht er überhaupt keine medikamentöse
Unterstützung mehr.
In den Zeiten vor Viagra, war es oft sehr schwer und mühselig,
eine psychogene Impotenz zu dekonditionieren –
verhaltenstherapeutische Übungen mit einer geduldigen
Partnerin waren das Mittel der Wahl.
Es ist sicher mit Viagra vieles leichter geworden –
aber diese Substanzen sind Medikamente, die nicht
unerhebliche Nebenwirkungen haben können –
bis hin zu Todesfällen.
Eine kritiklose Medikation – als Lifestyle Droge
für jedermann – ist äußerst bedenklich und abzulehnen.
Eine Sexualberatung und ein Gesundheitscheck müssen
einer Verordnung voran gehen.
Natürlich wird man heutzutage vor jeder längeren Sexualberatung
bzw. Therapie einen medikamentösen Versuch machen – den
die Betroffenen auch in erster Linie anstreben – weil
das so einfach und leicht erscheint.
Sexualberatung bzw. Therapie sind bei einer Impotenz manchmal nötig
Manchmal erbringt die medikamentöse Behandlung keine überzeugende
Verbesserung einer Impotenz oder es treten krasse Nebenwirkungen
auf, die eine Weiterbehandlung verbieten.
In solchen Fällen ist eine Sexualberatung bzw.
eine Sexualtherapie nötig, dem Paar zu einer erfüllenden
Sexualität zu verhelfen.
Das Konzept einer Sexualberatung bzw. einer Therapie bei
Impotenz hat das Ziel, die Versagens- und Erwartungsängste
des Mannes zum Verschwinden zu bringen. Da jede sexuelle
Funktionsstörung eines Partners das Paar als Einheit betrifft,
ist es unumgänglich, dass auch beide gemeinsam daran
arbeiten.
Bei einer Impotenz ist es daher ganz besonders
wichtig, die Frau zur Kooperation zu gewinnen.
Ziel einer Sexualberatung ist es, das Paar zu Übungen
anzuleiten, die am Anfang keinerlei erotischen Charakter
haben dürfen.
Impotenz-Dekonditionierung
Streicheln 1 bei Impotenz
Diese Übungen, die zwei bis dreimal in der Woche stattfinden,
sollen dem Mann die Erwartungsängste nehmen, die sich sonst
bei jedem körperlichen Zusammensein aktivieren.
Diese Streichelsitzungen, die am Anfang sogar bekleidet
ausgeführt werden können, bestehen aus Berührungen und
Streicheleinheiten sowie aus Massagen, die den ganzen
Körper einbeziehen – mit Ausnahme der erogenen Zonen.
Streicheln 2 bei Impotenz
Im nächsten Schritt werden bei den Streichelübungen die
Genitalregionen mit einbezogen, aber nicht stimuliert.
Es soll keine sexuelle Erregung ausgelöst werden.
Die Genitalien der Partner und die Brüste der Frau werden
wie beiläufig berührt – so wie die anderen Körperteile auch.
Die Übungen dauern im Schnitt 30 Minuten; beide wechseln sich
mit dem Streicheln ab – einmal er 5 Minuten und dann sie.
Das Wichtigste bei diesen Übungen ist ein absolutes Koitusverbot.
Das Paar darf nicht im Überschwang einer vermeintlichen
Sicherheit, der Versuchung erliegen, Geschlechtsverkehr
zu haben. Die Dekonditionierung der männlichen Versagensängste
muss ganz langsam und Schrittweise erfolgen – um Erfolg zu
haben. Das Wichtigste dabei ist, dass der Mann Körperlichkeiten
genießen lernt, ohne die Angst, dass etwas schief laufen könnte.
Es ist sehr sehr wichtig, das spielerische Element dieser Übung
zu betonen.
Erkundendes Streicheln bei Impotenz
Bei diesem Übungsschritt wird verfahren wie beim Streicheln 2;
die Genitalien werden dabei aber besonders manuell erkundet
und inspiziert. Ziel ist es, Sicherheit und
Unbefangenheit beim Berühren und Berührtwerden zu
erlangen.
Auch bei dieser Übung geht es nicht um sexuelle Erregung
und Orgasmus. Stellt sich Erregung ein, wird das erkundende
Streicheln unterbrochen, bis sie wieder abgeklungen ist.
Stimulierendes Streicheln bei Impotenz
Hier geht es darum mit der Erregung zu spielen: Die Partner
stimulieren sich abwechselnd – manuell oder oral – und lassen
dann die Erregung wieder abklingen, um erneut zu beginnen.
Der Mann soll ohne Angst und völlig unbefangen erleben,
dass seine Erregung kommt und wieder verschwindet – genau
wie seine Erektion.
Nachdem das Spiel dreimal wiederholt wurde, darf das
stimulierende Streicheln zu einem Höhepunkt führen.
Einführen des Penis
Die Übungen sollen wieder so durchgeführt werden wie vorher, aber diesmal durch das Einführen des Penis erweitert werden. Es ist dabei nicht entscheidend, wie steif der Penis des Mannes ist; auch im schwach erigierten Zustand kann er von der Frau eingeführt werden. Ziel ist es, die Wichtigkeit einer Erektion nicht in den Vordergrund zu stellen. Nach dem Einführen werden keine aktiven Bewegungen gemacht. War der Penis vorher steif, ist es normal, dass er wieder erschlafft – weil keine Stimulation erfolgt. Das Glied wird zurückgezogen; wieder manuell stimuliert und nochmals eingeführt. Danach können sich die Partner gegenseitig zum Höhepunkt bringen – ohne Penetration.
Der nächste Übungsschritt kann dann den normalen Geschlechtsakt umfassen.
Natürlich ist jede Paarsituation anders und die Sexualberatung muss dem durch ein individuelles Eingehen Rechnung tragen. Manche Paare können zum Beispiel bei den Übungen schneller voran schreiten als andere, bei denen vielleicht sogar Zwischenübungen einzuschalten sind. Das Einfühlungsvermögen des Beraters und seine Intuition sind dabei sehr wichtig.
Es ist aber auch gut möglich, dass die einzelnen Schritte häufiger geübt werden müssen, um den Erwartungsdruck bei ihm restlos zum Verschwinden zu bringen. Da gibt es keine festen Regeln – das ist vom Einzelfall abhängig.
Auch Rückfälle können auftreten – dann muss das Paar wieder einen Schritt zurückgehen und die Vorübungen wieder aufnehmen.
Das ganze Procedere hat natürlich einen etwas technischen und
unerotischen Charakter – das ist leider nicht zu umgehen.
Ohne die geduldige Mithilfe seiner Ehefrau wird ein Mann seine
Impotenz nicht loswerden. Die Sexualberatung ist deshalb sehr
darauf ausgerichtet, die Motivation der Ehefrau hoch zu
halten – auch wenn das Ganze etwas schleppend voran gehen sollte.
Impotenz und Paarkonflikt
Es ist gar nicht so selten, dass die Impotenz eines
Mannes eine unbewusste Abwehrhaltung widerspiegelt,
die auf einem tieferen Paarkonflikt beruht. Dann ergeben sich
im Rahmen einer Sexualberatung Schwierigkeiten, weil das Symptom
für das Paar eine tiefere Bedeutung hat. Männer, die in ihrer
Ehe z.B. eine niedere Rangordnung einnehmen,
haben häufig mit ihrer Erektion Probleme.
Wenn sich das Paar dann daran macht seine Impotenz
zu beheben, ist die Frau oft nur halbherzig bei der Sache. Ihre
überlegene Position lässt es einfach nicht zu, so
auf ihn einzugehen, wie es nötig wäre.
Seine Impotenz bleibt bestehen, weil auch in den Übungen
das Machtungleichgewicht zum Tragen kommt bzw. verschärft
sichtbar wird. Eine Sexualberatung bzw. Therapie kann seine
Impotenz dann sogar noch verstärken.
In der Sexualberatung müsste dann ein anderer
Weg eingeschlagen werden. Es sollten Strategien und Möglichkeiten
gefunden werden, die es ihm erlauben, das große emotionale
Machtgefälle etwas einzuebnen.